stifterpost-nr.-29-november-2015

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
liebe Stifterinnen und Stifter,

die Zeiten sind nicht so, dass wir nur mit Zuversicht nach vorne blicken. Wir wollen es als Bürgerstiftung dennoch unverdrossen tun, weil uns das erste Jahrzehnt des Förderns und Gestaltens Mut gemacht hat, weiterhin in unserer Stadt und für unsere Stadt da zu sein.
Auch diese Stifterpost erzählt von Erfreulichem, zum Bespiel in dem Bericht über die Jubiläumsrevue, die dank vieler begeisterter und begeisternder Mitwirkender und der vielen Helfer backstage ein buntes Fest geworden ist. Vielfältig und doch in ihren Schwerpunkten erkennbar sind die vorgestellten Projekte für Kinder und Jugendliche, für musikalische Bildung und für die Stadtgeschichte. Wir stellen das bereits erschienene Buch über den Roten Turm und das über den Alten Friedhof vor, das im Frühjahr erscheinen wird. Einen Blick in die Geschichte gewährte auch der Bunte Spaziergang im Oktober zum Rolf-Engelbrecht-Haus mit Christoph Engelbrecht, dem Sohn des ersten gewählten Oberbürgermeisters der Stadt Weinheim, .
Er hat Mut gemacht, ebenso wie das letzte Wochenende, an dem deutlich wurde, was die große Mehrheit der Weinheimerinnen und Weinheimer im Bündnis „Weinheim bleibt bunt” gegen die Geschichtsvergessenen auf die Beine zu stellen in der Lage ist.
Der „Blick über den Zaun” dokumentiert, was die Bürgerstiftungen in Deutschland seit den ersten Gründungen geschafft haben. Im Kleinen beginnt das im Allgemeinen Wirksame. Also: Weiter frisch voran, Bürgerstiftung Weinheim!

Mit freundlichen Grüßen
Ihr

Dr. Adalbert Knapp

Zum Seitenanfang

Zum Seitenanfang

Das Gedicht

Ausgewählt und kommentiert von Hans-Joachim Gelberg

Der geschenkte Tag

Gäbe es im Jahr
noch einen Tag dazu,
dann würde ich, zum Beispiel mal,
den ganzen Garten harken
oder, bei Schnee,
meine Bücher ordnen,
drei längst begonnene weiterlesen,
sieben versäumte Briefe schreiben,
vielleicht den besten Freund besuchen –
oder ich würde gar nichts tun
und immer noch mal aus dem Fenster sehn,
am liebsten aus dem Fenster sehn:
zum Fluss hinunter,
wo die Schiffe ziehn.

Benno Pludra
(1989)

Dieses Gedicht gehört gewiss nicht zum großen lyrischen Kanon. Es sind „nur” aufgereihte Gedanken im Täglichen. Und doch treffen die Worte unser Lebensgefühl. Einmal am Tag leise sein, aufatmen sozusagen. Den Augenblick erleben. Rose Ausländer, die große Lyrikerin, sagt es eindringlich: „Du sollst lieben jeden Tag, den du erlebst, denn nichts kommt wieder.”
Benno Pludra, 1925 in der Niederlausitz geboren, ist kein Lyriker. Doch haben alle seine Bücher, meist für Kinder geschrieben, ihren poetischen Reiz. Darin leise und weise die Hoffnung auf eine bessere Welt. Schon mit 16 Jahren fährt er als Matrose der Handelsmarine zur See. Dann wird er Lehrer, später Redakteur einer Zeitung. Seine Antwort auf die Frage, was er mit seinen Büchern bewirken wolle: „Ganz hinten, wenn’s sein muss, sollte Hoffnung sein, dass jemand die Bilder und Sätze braucht, und dass sie ein bisschen bleiben.” Benno Pludra ist im Alter von 89 Jahren in Potsdam gestorben.

Hans-Joachim Gelberg

Zum Seitenanfang

Nachgefragt

Die Bürgerstiftung ist nun Teenager!

„Alles fer umme, aber nicht umsonst”, kommentierte Oberbürgermeister Heiner Bernhard das ehrenamtliche Engagement, das zahlreiche Zeitstifter der Bürgerstiftung Weinheim seit zehn Jahren erbringen. Anlässlich des 10. Gründungstages hatte die Bürgerstiftung am 5. November zu einer Jubiläumsrevue in der Stadthalle eingeladen. Als charmante Conférencière führte Katja Hoger durch ein buntes und vielseitiges Programm.
Zunächst moderierte Cornelia Buchta-Noack eine Gesprächsrunde unter dem Motto „Ich erinnere mich…” Bürgerstiftler berichteten von Ereignissen und Erfolgen aus zehn Jahren: musikalischen Wochenenden in Weikersheim, Kunstprojekten für Kinder, Bildungsangeboten für Benachteiligte und noch viel mehr. Alle waren sich einig, dass die Bürgerstiftung dort tätig wird und Hilfe leistet, wo sie aktuell am dringendsten benötigt wird. Freilich wurde die Stiftung im Laufe der Jahre zur Gestalterin vielfältiger Projekte, die auch auf Dauer angelegt sind, z. B. die jährliche Weihnachtsbaumaktion, die Singfeste oder die Theatertage für Grundschulen. Gründungsvorstandsmitglied Dr. Peter Schuster fasste das Erfolgsgeheimnis in einem Satz zusammen: „Wer strampelt – und viel strampelt – kommt schnell hoch.”
Vor zehn Jahren, erklärte Gründungsvorsitzende Elisabeth Bettermann, begann man mit einem Startkapital von 150.000 Euro. Heute beträgt es durch das Maiwald-Erbe stolze 960.000 Euro.
Das Ehepaar Maiwald hätte sich bestimmt auch über die Gewinnerprojekte des nach ihnen benannten Förderpreises gefreut: Karen Backmeyer und Jennifer Drum (Johann-Sebastian-Bach-Schule) sowie Torsten Nesselhauf (Hans-Freudenberg-Schule) wurden als Gewinner von je 2.500 Euro vorgestellt. In Zusammenarbeit mit der Musikschule werden die JSB-Schüler Bodypercussion einüben. Ziel ist es, nicht einfach nur Rhythmen mit Körperteilen zu erzeugen, sondern den Schülern dabei zu helfen, selbstbewusst zu sein und die eigenen Stärken wahrzunehmen. Torsten Nesselhauf und seine Klasse, die aus Schülern unterschiedlichster Herkunft zusammengesetzt ist, möchten Handwerk und Musik verbinden. Sie bauen Cajones – Musikinstrumente in Kistenform – und lernen damit zu spielen. Thorsten Gellings von der Musikschule wird die Klasse unterrichten.
Auch für Unterhaltung war an diesem Abend bestens gesorgt: Die Lehrer-Jazzcombo der Musikschule, die zum ersten Mal in dieser Formation auftrat, spielte fetzige, aber auch einfühlsame Stücke. Musikalisch wurde der Abend weiterhin durch den Frauenchor des Sängerbundes Oberflockenbach bereichert: Mehr als 30 Frauen boten den Zuschauern eine beeindruckende gesangliche Leistung, und eine Gruppe der Weinheimer Cheerleader von der TSG zeigte ihr akrobatisches Können mit einer tollen Choreografie. Die Jugend-Kunstfahrgruppe des AC 1892 Weinheim – die jüngste Teilnehmerin gerade mal fünf Jahre alt – führte gewagte akrobatische Kunststücke vor und versetzte damit den ganzen Saal in Staunen.
Weil Lachen die beste Medizin ist, trat Markus Weber, hauptberuflich Apotheker, mit Auszügen aus seinem Kabarettprogramm „Hiwwe und driwwe” auf. Er nahm die Zuhörer mit auf einen spritzigen kulinarischen, philosophischen und sprachwissenschaftlichen Streifzug durch die Pfalz.Den Abend beendete der stellvertretende Vorsitzende der Bürgerstiftung, Michael Ender, mit einem herzlichen Dank an die Mitwirkenden, die alle ohne Gage tätig gewesen waren. Aus der Sammlung für die Flüchtlingsarbeit in Weinheim wird die Bürgerstiftung dem Arbeitskreis Asyl 1000 Euro übergeben können.Mikail Öztürk

Zum Seitenanfang

Weinheimer Wahrzeichen Roter Turm – Das Buch

Am 2. September 2015 war es so weit. Der Unterstützerkreis Roter Turm konnte den sehr zahlreich erschienenen Gästen sein von ihm herausgegebenes Buch „Weinheimer Wahrzeichen Roter Turm” druckfrisch präsentieren. Turmpate und Mitautor Dr. Wolfgang Kumpf gab einen kleinen Einblick in die Entstehung des 184 Seiten starken Werkes, mit dem der Unterstützerkreis seinem Patenkind, dem Roten Turm, quasi ein Stammbuch widmet. Ausgewiesene Fachleute konnten gewonnen werden, den Turm im historischen, baulichen, archäologischen und kunsthistorischen Kontext zu erforschen und auch zu beschreiben, in welchen regionalen und geschichtlichen Zusammenhang er über das halbe Jahrtausend seiner Existenz gehörte. Der Weg dorthin war spannend und führte dazu, dass die ganze Baugeschichte umgeschrieben werden und die Turmkrone neu eingeordnet werden mussten.
Bei einer spektakulären Drohnenbefliegung wurden mit tausenden Bildern letzte Beweise gesichert. Im Stadt- und im Generallandesarchiv wurden hunderte Seiten von Ratsprotokollen und anderen Dokumenten erstmals systematisch auf die Turmgeschichte hin durchkämmt. Reichlich war die Ausbeute an Bildern des Roten Turms. Wöchentlich tauchten neue Bilder auf, deren Maler und ihre Verbindungen untereinander gefunden werden mussten. Neue Zuordnungen ergaben sich und werden im Turmbuch erstmals dokumentiert. Passend dazu hatte Museumsleiterin Claudia Buggle als besonderes Highlight der Buchvorstellung eine wunderbare Studioausstellung mit den Bildern des Roten Turms aus den Beständen des Museums der Stadt Weinheim vorbereitet.

Adalbert Knapp, Fritz Ziegler, Christian Szillinsky, Wolfgang Kumpf, Heiner Bernhard, Torsten Fetzner

Oberbürgermeister Heiner Bernhard und Bürgermeister Dr. Thorsten Fetzner durften von den Turmpaten die ersten Turmbücher symbolisch für die Weinheimer Bürgerschaft entgegennehmen und bedankten sich für dieses „herausragende lokalpatriotische Produkt”. Auf der Buchrückseite legen die Turmpaten mit einem Zitat von Albert Ludwig Grimm der Stadt den Turm besonders ans Herz. Er mahnte schon 1842, den Turm als Weinheimer Wahrzeichen zu pflegen und erhalten. Dass die Stadt das tut, kam zum Ende der Buchvorstellung zum Ausdruck, als Dr. Adalbert Knapp als Vorstand der Bürgerstiftung ein die Erkenntnisse des Turmbuchs reflektierendes neues Turmschild an Christian Szillinsky überreichte, der die Turmpaten in den ersten fünf Jahren ihrer Patenschaft von Seiten der Stadt begleitet und optimal unterstützt hatte. Die Bürgerstiftung hatte die Herausgabe des Buchs
finanziell
durch eine großzügige Förderung aus Spenden für dieses Projekt überhaupt erst ermöglicht. Dankesworte von Turmpate Kumpf und das Logo der Bürgerstiftung auf der Titelseite halten dieses große Engagement fest.
Mehr als alle Worte spricht der schnelle Absatz für das Buch. Bereits einen Monat nach der Vorstellung ist die stattliche Auflage „weg”. Doch sind bei den Turmpaten, den Weinheimer Buchhandlungen, dem Kartenshop der Diesbach Medien, im Museum und unter www.gendi.de Restexemplare zum Preis von 15 Euro erhältlich.Wolfgang Kumpf

Zum Seitenanfang

Eine Reise um die Welt

Am Mittwoch, dem 13. Juli 2016 von 10 bis 11 Uhr findet unter der großen Zeder im kleinen Schlosspark das vierte Singfest der Kindergärten und des Bodelschwingh-Chores statt. Damit das Fest bestens vorbereitet sein wird, hat sich die Organsiationsgruppe bereits in diesem Jahr im Mai und Oktober getroffen.
Die Stifterpost hat sich beim Treffen der Gruppe im Oktober nach dem Stand der Dinge erkundigt und wollte außerdem wissen, was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bewegt, Freizeit und Energie in dieses Projekt zu stecken.

Margarete Ruoff , Bürgerstiftung; Jolanta Porwolik, Kiga Herz Jesu, Monika Preiß, Gemeinden an der Peterkirche, Birgit Ströhlein, Kita St. Laurentius, Sabine Endrich, Helen-Keller-Schule, Enza Caruso, Kita St. Laurentius und Jürgen Osuchowski, Musikschule. Nicht auf dem Bild sind Christine Engelhardt, Bodelschwingh-Chor und Sarah Kinkel vom Amt für Bildung/Sport.

Wenn man die strahlenden Gesichter der Organisationsgruppe sieht, wird klar, warum alle so gerne dabei sind: Es macht Freude, an so einem Projekt mitzuarbeiten und vor allem mitgestalten zu können. Außerdem könne man andere Kindertagesstätten und Einrichtungen kennenlernen und in diesem Verbund für die anvertrauen Kinder und ihre Erzieherinnen etwas schaffen, was es nicht jeden Tag gibt. So war nach dem ersten, bestens gelungenen „Durchgang” beim Singfest 2014 allen klar: „Wir sind wieder dabei!”
Inzwischen sind die Lieder ausgesucht, die dramaturgische Grundstruktur, die sich an dem Buch „Flaschenpost, schwimm übers Meer” orientiert, ist festgelegt, die Fortbildungsangebote für die Erzieherinnen in den teilnehmenden Kindergärten sind zusammengestellt und so können die Einladungen an Weinheimer Kindergärten verschickt werden.
Übrigens, als das Thema, das nach dem Ritterfest im vergangenen Jahr irgendwie in der Luft lag, ausgewählt wurde, war noch nicht klar, was für eine Aktualität es durch die inzwischen angekommenen Flüchtlingskinder und -familien bekommen sollte: „Wir sind Kinder einer Welt” singen die Kinder als Eingangslied.
Kn

Zum Seitenanfang

Wahre Freundschaft ist der echte Schatz – Musical an der Helen-Keller-Schule

Bereits im dritten Jahr konnte es dank der finanziellen Unterstützung der Bürgerstiftung Schülern und Schülerinnen der Erzieherausbildung an der Helen-Keller-Schule in Weinheim ermöglicht werden, ein Instrument zu erlernen. Die Kooperation zwischen der Musikschule Badische Bergstraße und der Helen-Keller-Schule Weinheim gipfelte in diesem Schuljahr in einem besonderen Höhepunkt: der Aufführung eines selbst geschriebenen Musiktheaterstücks zum Thema Piraten bei der Abschlussfeier der Fachabteilung Sozialpädagogik. Die Schülerinnen des Wahlpflichtfaches Musik hatten sich unter Leitung von Musiklehrerin Sabine Endrich von dem Bilderbuch „Käptn Ännchen und ihre Männchen” von Peter Haswell inspirieren lassen.
Käptn Ännchen hat es nicht leicht mit ihrer Besatzung, die nicht einsehen will, dass Duschen und Putzen auch für Piraten wichtig sind. Die Matrosen meutern, binden den Kapitän an einen Mast und merken in Folge eines ausgelassenen Festes nicht, dass sie mitten in einen Sturm hineinsegeln, bei dem auch noch einer ihrer Freunde von Bord fällt. Viel zu spät begreifen sie, was geschehen ist und sind dem Kapitän sehr dankbar, dass er ihren Freund gerade noch rechtzeitig gerettet hat. Da ist alle Meuterei vergessen und die Piraten verstehen nun: Der wahre Schatz ist doch, Freunde zu haben, die einem in jeder Notlage helfen und die zusammenhalten. Die bekannten Volkslieder und Seemannslieder wurden vom Publikum begeistert aufgenommen und viele schunkelten und sangen sogleich mit. Die Gitarren-AG unter Leitung von Musikschulleiter Jürgen Osuchowski begleitete die Lieder ausdrucksstark und sicher.
Ein von Musikkollegin Eleonore Baumstark geleiteter Chor, bestehend aus Schülerinnen der Fachabteilung Sozialpädagogik unterstützte die Akteure auf der Bühne. Ein selbstgestaltetes
Bühnenbild und fantasievolle Kostüme sorgten für die richtige Atmosphäre.

Sabine Endrich

Zum Seitenanfang

Ein ganz besonderer Ausflug

Im Juni dieses Jahres unternahmen über 40 Kinder des Kindergartens St. Marien einen Ausflug mit dem Bus in den Tiergarten nach Worms. Dabei waren Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf und als Sprachvorbilder Kinder ohne Sprachprobleme. Zusammen mit der Hermann-Gutzmann-Schule (Schule für sprachbehinderte und hörgeschädigte Kinder) in Mannheim wurde das Thema des Ausflugs sechs Wochen lang erarbeitet. Das Inklusionsprojekt war ein Teil des allgemeinen Förderprogramms für Kinder mit Sprachschwierigkeiten, ob mit oder ohne Migrationshintergrund (84 der 107 Kinder im Kindergarten sprechen Deutsch als Zweitsprache).
„Über Lieder, Fingerspiele, Arbeitsblätter und Bewegungsangebote haben die Kinder in der Zeit bis zum Ausflug viel erlebt”, beginnt der mit Kinderzeichnungen und Fotos liebevoll gestaltete Bericht der Erzieherinnen. Die Kinder haben Tiernamen und Tierstimmen ebenso kennengelernt wie die ursprünglichen Lebensräume der Tiere; ein Tierpark entstand im Kindergarten, sie selbst wurden zu Löwen, Tigern und Giraffen, bis der große Tag nahte. Schon die Busfahrt war ein besonderes Erlebnis, noch mehr waren es natürlich die Erlebnisse im Tierpark. Und anstatt Fotos zu knipsen haben alle Ausflügler ein paar Tage danach gemalt, was ihnen am besten gefallen hat. Da war der Bus dabei, da waren ganz viele Tiere dabei und auch diese Schildkröten, die Alesandra am schönsten fand.

War es nicht selbstverständlich, dass die Bürgerstiftung die Buskosten gesponsert hat?

Kn

Zum Seitenanfang

„Seien Sie ein Freund der Menschen”

Bunter Montagsspaziergang erinnerte an das Leben und Wirken des früheren Oberbürgermeisters Rolf Engelbrecht

Er ist eine Symbolfigur für Integration in Weinheim: Rolf Engelbrecht, Weinheims Oberbürgermeister in den Jahren 1948 bis 1966, Sohn einer jüdischen Mutter und zu seiner Zeit der oberste Förderer einer offenen, bunten und toleranten Stadtgesellschaft. Rolf Engelbrecht bleibt mit seiner Biografie und seiner Botschaft in der Stadt seines politischen Wirkens lebendig – durch Aktionen wie jene des Bündnisses „Weinheim bleibt bunt”. Ziel des diesmaligen „Bunten Spaziergangs” mit dem Bündnis „Weinheim bleibt bunt” war das Rolf-Engelbrecht-Haus in der Weststadt, ein „Haus, das Vereinen und Kulturen offensteht und damit ein Symbol darstellt für eine bunte und
offene Stadtgesellschaft”, wie es Stella Kirgiane-Efremidis für den Sprecherkreis des Bündnisses beschrieb.

Christoph Engelbrecht, der Sohn des früheren OB, bestärkte die Weinheimer, ihren Weg weiter zu beschreiten und die Wichtigkeit einer bunten Stadtgesellschaft zu betonen. „Schon damals hat mein Vater, als er nach Weinheim kam, eine sehr offene Bürgerschaft angetroffen, und diese Stadt hat oft in Flüchtlingsfragen ihre Weltoffenheit bewiesen”, betonte der in Stuttgart lebende Jurist und Unternehmer, der seine Kindheit in Weinheim verbracht hat. Er sei sich gewiss, dass die Weinheimer Bürgerschaft auch die aktuelle Flüchtlingskrise bewältigen könne. „Wir können es schaffen”, erinnerte er an einen Ausspruch von Kanzlerin Merkel, „und in Weinheim zuerst”. Sein Wunsch an alle Weinheimerinnen und Weinheimer: „Seien Sie ein Freund der Menschen.”

Zuvor hatten auch Dr. Adalbert Knapp für die Bürgerstiftung Weinheim, die zu den Initiatoren des Rolf-Engelbrecht-Preises gehört, und Albrecht Lohrbächer, der ihn für den Arbeitskreis Asyl vor wenigen Monaten entgegengenommen hat, an die Symbolkraft Rolf Engelbrechts erinnert.
Roland Kern

Zum Seitenanfang

Das Porträt

Interview mit Mikail Öztürk

Stifterpost: Mikail, seit bald zwei Jahren schreiben Sie für die Stifterpost. Wie kam es dazu und welches sind Ihre Gründe für dieses Engagement?

Mikail Öztürk: Wer sich freiwillig engagiert, kann die Gesellschaft aktiv mitgestalten. Kreatives Schreiben ist etwas, das mir schon immer Spaß gemacht hat. Damit sind natürlich auch Begegnungen mit neuen Menschen verbunden und man ist über aktuelle Themen im eigenen Umfeld stets informiert.

Stifterpost: Im Februar 2014, zu Beginn Ihrer Tätigkeit für die Stifterpost, haben Sie an einem Workshop „Einführung in das journalistische Schreiben” des RNZ-Journalisten Günter Grosch teilgenommen. Was war dabei für Sie besonders hilfreich?

MÖ: Worte können mächtig sein. Herr Grosch als Journalist weiß, wie man dem Leser effektiv eine Nachricht übermittelt und hat sein Wissen an uns weitergegeben. Die wichtigste Erkenntnis, die ich aus dem Workshop gewinnen konnte: Kurze und verständliche Formulierungen sind besser als ein „Blähstil”. Neue Kompetenzen, die ich dadurch erlernt habe, helfen mir nicht nur dabei, Artikel für die Stifterpost zu schreiben, sondern auch in der Schule.

Stifterpost: Gab es ein Thema oder auch mehrere, das Sie besonders interessant fanden, über das Sie besonders gern geschrieben haben?

MÖ: Generell schreibe ich gerne über den Themenkomplex „Kunst und Kultur”. Als Beispiel für ein kreatives Projekt möchte ich die Klangskulptur nennen, die in Kooperation mit dem Weinheimer Künstler Horst Busse entstand. Ich fand es faszinierend, wie Talente geweckt werden können, wenn man Menschen den Raum zur Entfaltung bietet.

Stifterpost: Was gefällt Ihnen an der Bürgerstiftung Weinheim besonders?

MÖ: Die unbürokratische Arbeit, die viele engagierte Menschen leisten. Es gibt genug andere, die über Probleme nur sprechen anstatt zu handeln. Die Strategie der Bürgerstiftung ist einfach, aber wirksam: Hilfe leisten, wo sie am dringendsten benötigt wird.

Stifterpost: Vermissen Sie etwas?

MÖ: Mir ist aufgefallen, dass sich nur wenige junge Menschen an den Projekten der Bürgerstiftung beteiligen. Vor allem richte ich mich mit dieser Forderung an Jugendliche meines Alters: Macht mit, es lohnt sich!

Stifterpost: Sie bereiten sich gerade am Gymnasium der Dietrich-Bonhoeffer-Schule auf das Abitur vor. Gibt es ein Fach, das Ihnen besonders gefällt?

MÖ: Es gefallen mir vor allem zwei Fächer: Chemie und Biologie. Ich finde es spannend, die komplexen Vorgänge im menschlichen Körper und in unserer Umwelt zu erkunden. Diese Fächer sind auch deshalb interessant, weil es nicht nur um stures Auswendiglernen geht, sondern um das Anwenden von Wissen und Verknüpfen von Informationen.

Stifterpost: Haben Sie auch für Hobbys Zeit?

MÖ: Ja, ein Ausgleich zum Schulalltag ist sinnvoll. Ich spiele Klavier und beteilige mich in meiner Freizeit an verschiedenen Konzert- und Orchesterproben. Außerdem betreibe ich einmal wöchentlich Schießsport.

Stifterpost: Wissen Sie schon, wie es nach dem Abitur weitergehen soll?

MÖ: Sehr gerne würde ich für mein Studium nach England gehen, denn ich bin der Meinung, dass Auslandsaufenthalte Menschen positiv prägen. Aktuell bewerbe ich mich für einen Medizinstudienplatz.

Stifterpost: Sie werden bei Ihrer Bewerbung um einen Studienplatz auch Ihr ehrenamtliches Engagement, z. B. bei der Bürgerstiftung, erwähnen. Was erwarten Sie sich davon?

MÖ: Noten können nicht alles über einen Menschen aussagen und das wissen Universitäten. Auch wenn man gute Noten hat, kann zum Beispiel das ehrenamtliche Engagement in der Bürgerstiftung belegen, dass man auch soziale Kompetenzen hat. Was meinem Fall betrifft: Universitäten suchen nicht nur nach dem „wandelnden Lexikon”, sondern einen Menschen, der das Potential hat, ein guter Arzt zu werden und es nicht scheut, wenn nötig Initiative zu ergreifen.

*Stifterpost*: Mikail, vielen Dank für das Gespräch und Ihre Bereitschaft, für die Bürgerstiftung journalistisch tätig zu sein. Viel Erfolg bei den Bewerbungen und alles Gute!
.
Mikail Öztürk ist 17 Jahre alt und bereitet sich gerade am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium Weinheim auf das Abitur vor. Er hat an verschiedenen Mathematik-, Informatik- und Chemiewettbewerben teilgenommen. Eben hat er das Projekt „Objektive Kriterien zur Beurteilung der Durchführungsqualität spezifischer allgemein- und viszeralchirurgischer Eingriffe – Interdisziplinäre Perspektiven” abgeschlossen.
Bei Schüleraustauschen in England (2013) und Italien (2013 und 2014) erweiterte er seinen Horizont. Er möchte gerne Chirurg werden.
Seine Muttersprache ist Deutsch, Türkisch beherrscht er fließend in Wort und Schrift, konversationsfähig spricht er Englisch, Spanisch und Italienisch. Als Tüpfelchen auf dem i kommt das kleine Latinum dazu. Da kann man nur noch alles Gute für die Zukunft wünschen!

Interview: Monika Endriß und Adalbert Knapp

Zum Seitenanfang

Blick über den Zaun

Bürgerstiftungen in Zahlen 2015

Zum Seitenanfang

Aktuell

Weinheims Alter Friedhof

Die Bürgerstiftung Weinheim hat sich in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung entschlossen, den Alten Friedhof an der Peterskirche als historischen Friedhof, zugleich aber auch als Landschaftspark und Sehenswürdigkeit wieder für die Bürgerschaft und die Besucher von Weinheim attraktiv zu gestalten. Nachdem in den letzten Jahrzehnten trotz vielen ehrenamtlichen Engagements immer nur das Nötigste zur Pflege des Friedhofs getan werden konnte, sieht die Bürgerstiftung die Zeit gekommen, den Anstoß für einen langfristigen Erhalt dieses „Parks der Erinnerung” zu geben.

Im Oktober 2015 wurde als erste Maßnahme vom Grünflächenamt ein neuer Zaun um den Friedhof aufgestellt, der das Eindringen von Wildschweinen verhindern soll. Für den Februar 2016 planen Bürgerstiftung und Verwaltung eine Ideenwerkstatt mit der Bevölkerung, in der Vorschläge und Wünsche für die zukünftige Nutzung des Alten Friedhofs erarbeitet werden sollen. Deren Realisierung wird eine Aufgabe für die folgenden Jahre sein.

Am Anfang des Projekts wird auch ein Buch über den Alten Friedhof stehen, das das Interesse an diesem innerstädtischen Kleinod wecken soll. Das Buch wird neben vielen Abbildungen drei Kapitel beinhalten: einen längeren Teil zur Historie des Friedhofs hinter der Peterskirche sowie eine kurze Geschichte der Stadt Weinheim im 19. Jahrhundert anhand der heute noch stehenden Grabsteine, des weiteren einen theologischen Beitrag zur christlichen Begräbniskultur sowie ein Kapitel über die Pflanzen und Tiere, die auf dem Alten Friedhof heimisch geworden sind. Die Autoren sind Alexander Boguslawski, Siegfried Demuth und Ute Haizmann. Das Buch wird im April 2016 erscheinen.

Alexander Boguslawski

Zum Seitenanfang

Nur Mut!

Sie haben eine gute Idee für ein Projekt oder einen Vorschlag oder wollen einmal in einem persönlichen Gespräch erfahren, was es bei der Bürgerstiftung alles gibt? Oder Sie wollen selbst mitarbeiten?

Nur Mut! Wir freuen uns auf Ihren Anruf oder Ihre Mail!

Dr. Adalbert Knapp (Tel. 06201 63254)

Oder Sie schreiben erst einmal eine Mail an uns,
das ist nicht so riskant …

Zum Seitenanfang

So helfen Sie uns

Wie Sie uns helfen können, das erfahren Sie hier.

Zum Seitenanfang

Stifterpost abbestellen

Wir möchten die Stifterpost nur an Personen versenden, die wirklich interessiert sind. Wenn Sie die Stifterpost abbestellen wollen, klicken Sie bitte hier!

Zum Seitenanfang

Impressum

Herausgeberin:

Bürgerstiftung Weinheim

Vorstandsvorsitzender: Dr. Adalbert Knapp
Siegfriedstraße 7
69469 Weinheim
Stellvertretender Vorstandsvorsitzender: Michael Ender
c/o Volksbank Weinheim, Bismarckstraße 1
69469 Weinheim
Kontakt: info@buergerstiftung-weinheim.de
Anerkennung durch das Regierungspräsidium Karlsruhe am 17. November 2005 als rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen RechtsRedaktion: Adalbert Knapp
Texte: Alexander Boguslawski, Sabine Endrich, Monika Endriß, Hans-Joachim Gelberg, Roland Kern, Adalbert Knapp, Wolfgang Kumpf, Mikail Öztürk
Bilder: Hans-Joachim Gelberg: Alexa Gelberg
Michael Endriß, Roand Kern, Uwe Klein, Jürgen Osuchowski, Mikail Öztürk
Mitarbeit: Brigitte Burger, Monika Endriß, Gunter Faigle, Marcus Graf und Claudia WernerLayout und Webdesign:
grafux | grafische dienstleistungen
hans-jürgen fuchs
Web-Hosting & Programmierung:
Shoplogistics GmbH
Marcus Graf

zum Seitenanfang