stifterpost-nr-44-juli-2018

Liebe Leserin, lieber Leser,

Knappletzthin saß ein nicht unwichtiger Mensch neben mir und meinte, er möchte mir gerne ein kleines Lob aussprechen: Jedes Mal, wenn die neue Stifterpost komme, freue er sich und lese gerne darin,  Ich frage zurück, ob denn die Texte gelegentlich nicht zu lang wären? Nein, eigentlich nicht, denn es sei ja munter geschrieben und immer interessant. Der Nachbar war meiner Zustimmung sicher, freilich mit einer Einschränkung: Ich frage, ob er das kleine zu einem ordentlichen Lob anheben möchte. Auch darin wurden wir uns einig. Diesmal könnte es sein, dass er das Kompliment bereut: Es war wieder ziemlich viel los und die  Lesezeit beträgt by Speed Reading mindestens weniger. Übrigens, es lohnt sich, mindestens bis zum Freiwilligentag vorzudringen: Da gibt es einen kurzen Film, in dem nicht unbedeutende Leute Wichtigstes erzählen.

Einen schönen Sommer und

herzliche Grüße

Ihr

unterschriftknapp klein

Mit freundlicher Unterstützung von
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Das Gedicht

Ausgewählt und kommentiert von Hans-Joachim Gelberg

vom gehen, messen und greifen

gehst du tiefen suchen,
such in dir selbst.
du kannst getrost atmen,
solang das lot fällt.

miss dich nicht an bäumen.
die sind zu groß und frei.
lieber miss dich am käfer,
den du tratst zu brei.

greif nur nach oben.
du stößt nicht an.
aber lass den fuß dort
wo er stehen kann.

Ernst Jandl

gelberghansjoachim 160

Ernst Jandl, 1925 in Wien geboren, starb im Juni 2000. Für seine Texte bevorzugte er die Kleinschreibung. Sein Gedicht verlangt viel. Eigentlich mehr, als tägliche Einsicht ermöglicht. Natürlich, solange unser Leben dauert, geht es „getrost“ weiter. Zum Getrostsein gehört auch der  Käfer. Sieh doch, wie klein du bist. Und greifst du nach oben, bleibe dennoch, wo du stehen kannst. Jandl veröffentlichte dieses frühe Gedicht 1956 in seinem ersten Lyrik-Band „Andere Augen“. Damals war er noch in Wien als Lehrer tätig. Seine Gedichte, laut oder leise, spielen und bezaubern in allen möglichen Tonarten. Dabei folgt er immer wieder eigenen Lebensspuren  und findet Worte „aus dem wirklichen Leben“. Für mein Jahrbuch der Kinderliteratur „Das achte Weltwunder“ (1979) schickte er „sieben weltwunder“: „und das wievielte bin ich? / und das wievielte bist du? / und das wievielte ist die kuh?“ (…)


Aktuell


Doch Europa! Start einer Kampagne zur Europawahl 2019

Im mit rund 80 Personen gut besetzten Musiktheater der Dietrich-Bonhoeffer-Schule startete am 24. Juli eine auch von der Bürgerstiftung unterstützte Kampagne für ein vereintes demokrasiches Europa. Eingeladen waren fünf Bundestagsabgeordnete aus der Region, denen zwei Schüler und eine Schülerin Fragen zur aktuellen Politik stellten. Welche Fragen die Jungen stellten, ergab sich aus einer zuvor durchgeführten Fragebogenaktion, bei der insgesamt 3000 Fragebogen an Weinheimer Schulen verteilt worden waren. Rund die Hälfte der Bogen kam ausgefüllt zurück, was man als ein sensationell gutes Ergebnis bezeichnen kann.

Im immer wärmer werdenden Theater entspann sich ein lebhaftes Gespräch über gut eineinhalb Stunden. Auf die Eingansfrage, welche persönliche Motivation die Politiker antreibe, wenn es um Europa geht, wurde rasch klar, dass alle Anwesenden engagierte Europäer sind. Lothar Binding von der SPD ging es vor allem um eine gerechte Verteilung der Gelder in der EU, deren Verwendung im besten Fall allen Ländern zugute kommen kann. Franziska Brantner von den Grünen warb für eine stärker demokratisch legitimierte Union, Jens Brandenburg von der FDP machte sich für die Rechte von Minderheiten stark, Alexander Föhr ging für die CDU auf das Thema einer neuen Rolle der EU in der Weltpolitik ein, und Gökay Akbulut von den Linken sieht die EU als Opposition zu den neuen rechten Bewegungen in Europa.

Die drei Schüler, Teresa Schneller, Tom Bürmann und Stefano Bauer, die auch Mitglieder im Weinheimer Jugendgemeinderat sind, stellten im weiteren Verlauf auch Fragen zur Umwelt- und Klimapolitik, zur Modernisierung des Bildungssystems, zu Chancen und Risiken der Digitalisierung, zum Datenschutz und zur aktuellen Flüchtlingspolitik. Kontroversen am Podium gab es nicht, aber Nuancen. Die einen wollten an den deutschen Gymnasien eher das G9 haben, andere sahen darin überhaupt nicht das Hauptproblem unserer Schulen. Neben großen Datenschutzbedenken bei der weltweiten Digitalisierung  wurden auch die großen Chancen zum Beispiel für internationale Schulkontakte via Internet hervor gehoben. Beim Thema Umwelt und Klimaschutz war man sich weitgehend einig, dass von der EU gute Richtlinien kommen, die aber in den Mitgliedsländern unzureichend umgesetzt werden.

Dr. Knapp und Dr. Boguslawski machten bei ihrer Begrüßung und Verabschiedung deutlich, dass sich bereits einige Gruppen und Personen an der Kampagne „Doch Europa!“ beteiligen und dass dieses Engagement bis zur Wahl des Europäischen Parlaments am 26. Mai 2019 anhalten soll. Momentan beteiligen sich an der Initiative neben der Bürgerstiftung die Volkshochschule, das Bunte Weinheim und der Jugendgemeinderat, sowie eine Reihe von Einzelpersonen. Medial begleitet Sven Holland von den Jugendmedien Weinheim das Projekt. Geplant sind Vorträge, gesellige Runden und zum Abschluss am 12. Mai 2019 ein großes Singfest am Blauen Hut unter dem Motto „Stimmen für Europa“.

Alexander Boguslawski

Ad multos annos

Am 12.Juli verabschiedete die Hans-Freudenberg-Schule ihre Leiterin Kreszentia Amann. Ein Dekade hatte sie die schon lange nicht mehr „Gewerbeschul“ geleitet. Die Redaktion der Stifterpost erreichte zu dem Ereignis dieser Brief:

Liebe Frau Amann,
als ich nach diesem Vormittag überlegte, welche Überschrift zu einem Bericht passen würde, fiel mir sehr schnell ein: Das war eine Liebeserklärung! Es fing an mit einer Musikgruppe, die die ankommenden  Gäste rhythmisch einstimmte: „Life goes on and on – life ist flowing like a river“. Die Musikgruppe, ein „Projekt“, das Ihre Idee war und, wie könnte es anders sein, auch diese Idee hat „funktioniert“: Schülerinnen und Schüler, die fast oder überhaupt noch nie selbst musiziert hatten, sollten eine Chance bekommen, die holde Kunst kennen zu lernen. Hineinkomponiert in die Noten das Gedicht von Sabine über ihre Mathematiklehrerin, das klang für mich sehr nach großer Zuwendung für Sie. Die Schulamtspräsidentin des „RP“ berichtet dann von Ihrem Lebensweg, der von Augsburg über das Allgäu ins Badische führte . Als selbst in Bayerisch-Schwaben aufgewachsener (Dillingen, soviel am Rand, war über Jahrhunderte die Residenz der Bischöfe von Augsburg und Mozart-Wunderkind kam seinerzeit nicht zu den Reichsbürgern sondern in die hochstiftliche Residenz) also, als wacher bayerisch–schwäbischer Patriot wurmt es mich schon lange, dass seit Bestehen des Freistaats  1918 noch nie ein bayersicher Schwabe dieses Amt erreicht hat. Inzwischen ist mir klar. Sie hat es nicht interessiert!!

Also weiter, nichts davon, dass mein Großvater auch aus einer Bäckerei stammt und in Augsburg seine ersten pädagogischen Altphilologensporen erwarb, sondern zu Ihnen, irgendwie hatte das vielleicht auch mit der Picht‘schen Bildungsrevolution zu tun (siebenundfünfzig, achtundfünfzig, neunundfünfzig  sechzig, Bildungsnotstand rächt sich, skandierten wir seinerzeit), dass Sie zielstrebig die Handelsschule hinter sich ließen, als Hotelfachfrau im Familienunternehmen tätig waren, weiter studierten, auch Mathematik, ojeoje, eine Familie gründeten (welch eine Liebeserklärung am Ende Ihrer Rede), um dann, nicht MP in Bayern, sondern Chefin einer großen, nicht zu großen und wichtigen Schule in der früheren Kurpfalz zu werden. Ein Segen für die vielen Schülerinnen und Schüler, die „Ihre“ Schule besuchen. Die folgende Story habe ich Ihnen schon einmal erzählt, wie einer von den jungen Menschen, der es nicht ganz leicht hatte, das Wort „liebevoll“ von der Begrüßung durch Sie im Technischen Gymnasium nach Hause brachte.


Jetzt aber zurück zum Vormittag des 12.Juli, da kam dann der Landrat, herzlich und zugetan, wie anders, wo ihn die HFS in den letzten Jahren doch fast täglich beschäftigte, irgendwie. Die Personalratskolleginnen stimmten ein, nur Gutes, Schönes, Kollegiales und dann das Multikulti-Video der Schülerinnen und Schüler aus aller Herren und Frauen Länder: Was anderes als eine Au-Revoir-Zuwendung, die man auch eine – siehe oben – nennen könnte. Ich denke auch an das Abschlussereignis des, auch wieder „Projekts“ „Handwerk und Musik verbinden“ : Vierzig Spielerinnen und Spieler aus 20 Nationen, spielen auf ihren Cajones, „Ihre Buben“ – und Mädchen natürlich auch, bitte! „Schulleiterin Senta Amann dankt begeistert und sichtlich überwältigt den Jugendlichen, Lehrkräften und allen anderen Beteiligten: ‚Ein unvergessliches Erlebnis.‘, notiert die Stifterpost.


Nicht einfach sei es, meinen Sie zum Schluss, jetzt zu danken; natürlich schaffen Sie auch dies, gerührt und doch cool, und dann wird es wirklich genial und eng mit dem Gefühl: Ein Schüler der HFS singt, vor Jahren geflüchtet, schwarz wie Afrika, eine Stimme, besser als Franky Boy „My Way … it was her Way“
So etwas bekommen üblicherweise Bundeskanzler, wenn sie sich das wünschen, ein bayerischer MP würde sich das maybe, in der Variation „Mia san mia“ wünschen. Sie bekamen es, weil es Ihr Weg war.
Ad multos annos, zitiere ich meinen Großvater, und wünsche Ihnen gute Tage, zunächst am schwäbischen, dann am kretischen und dann im schönen Lützelsachsen, mit ohne Meer.
Herzlich
Ihr

Adalbert Knapp


Bürgerstiftung Weinheim, Kunstförderverein Weinheim e.V., Musikschule Badische Bergstraße und Hans-Freudenberg-Schule präsentieren

Kunst auf dem Alten Friedhof – Entdecken, was uns verbindet
Wir haben in der letzten Stifterpost schon angekündigt: Vom 9. bis 29. September 2018 wird es auf dem Alten Friedhof lebendig

Sonntag, 9. September, „Tag des offenen Denkmals“ unter dem Motto „Entdecken, was uns  verbindet“ von 13:30 bis 18:30 Uhr
Der Kunstförderverein Weinheim hat zwei Künstlerinnen aus der Region gewonnen, einen Einblick in ihr Schaffen zu geben. Es sind dies Dorothee Rust http://gruenundkunst.de/?page_id=64 und Stefanie Welk https://stefanie-welk.de.
Schauen Sie auf ihre Kunstsites:  Da grünt es grün mit Stein und Bein – und bei Stefanie Welk pfutzgert es nur so!! Lassen Sie sich überraschen von dem, was die beiden am 9. September präsentieren.

Ebenso gespannt kann man sein, was für Töne in der Klangskulptur II klingen, wenn die  Bäume singen  und die Glocken der Peterskirche die Zeit zum Schwingen bringen.
Um 14:00 und 16:00 Uhr wird Dr. Alexander Boguslawski über den Friedhof führen.
Den Klangraum vollenden „Ivo & Friends“ alias Ivo Shishkov mit Bärbel und Bernard Rummel.

Am Samstag, 15. September von 10.00 bis 14:00 findet wieder der inzwischen traditionelle Freiwilligentag der Metropolregion Rhein Neckar statt. Siehe unten.
Am Samstag , 29. September gibt es um 17:00 Uhr eine Bläserserenade der Musikschule – und, ganz sicher, wird die Klangskulptur II, wie es der Name sagt, erneut und wieder und für fast immer klingen und schwingen.


Freiwilligentag im Alten Friedhof

Zum dritten Mal seit 2014 ruft der Freiwilligentag der Metropolregion „Wir schaffen was!“ am Samstag, 15. September von 10:00 bis 14:00 Uhr in den Alten Friedhof in Weinheim. 2016 waren 40 Helferinnen und Helfer dem Ruf der Bürgerstiftung Weinheim gefolgt und hatten von 10 Uhr morgens bis zum frühen Nachmittag im Alten Friedhof an der Peterskirche gegärtnert und geputzt.


Auch diesmal gibt es manches zu tun, obwohl der Weinheimer „Park der Erinnerung“ seit 2014 einiges erlebt hat, was er wohl nicht erwartet hatte: Ein Lifting ohne Gesichtsveränderung, ein Durchforsten durch das Grünflächenamt, ein Freiwilligentag 2017 ohne Metropole, Vorbereitung der Sanierung von Grabsteinen, gepflegte Gräber, Klänge von Posaunen, Hunde, deren Herrchen und Frauchen das Geschäft ihrer Lieben in die vorgesehnen Behälter transferieren und dadurch die Helfer, die alle vier Wochen bei ihren AF-Jour-Fixe das Notwendige tun, guten Fußes und mit reinen Handschuhen ihr Werk verrichten können. Also: Wie jeder Gartenmenschen weiß, die Natur bietet den Menschen an, ihre Kraft gelegentlich zu zügeln und immer wieder nach dem gärtnerisch Rechten zu schauen.
Den Film zu dem Großen Tag finden Sie hier: https://www.rontv.de/ron-tour-in-weinheim/

Bürgerstiftung und Stadtverwaltung rufen alle Interessierten dazu auf, sich an dieser Aktion zu beteiligen. Alle, die Lust haben, einen halben Tag lang unter fachkundiger Anleitung zu gärtnern, sind eingeladen. An der Aktion beteiligen sich auch die Weinheimer Zweiburgenhelden http://2burgenhelden.de/. Ebenso werden in Weinheim lebende Flüchtlinge dabei sein.
Die Helferinnen und Helfer sollten wenn möglich als Gerätschaft eine Gartenschere, einen Garten- oder Laubrechen, einen Straßenbesen, eine Schaufel und natürlich Arbeitshandschuhe mitbringen. Treffpunkt ist am 15. September um 10 Uhr der untere Eingang des Alten Friedhofs hinter der Peterskirche. Nähere Information und Anmeldung bei info@buergerstiftung-weinheim.de (Tel. 06201 389 2025 oder 06201 16605, Dr. Alexander Boguslwaski) oder bei http://www.wir-schaffen-was.de.


Musik! Dringend! Jetzt!

Sommertheaterprojekt für Jugendliche
In den Sommerferien veranstaltet die Bürgerstiftung Weinheim das Musik-Theaterprojekt „Musik! Dringend! Jetzt!“ Mit großem Erfolg fanden  in den letzten beiden Jahren ähnliche Projekte statt. Mitmachen können alle Interessierten im Alter von 10 bis 18 Jahren mit und ohne Fluchthintergrund, alteingesessene Jugendliche und Neuzugezogene. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Paul Berberich, Theaterpädagoge und Erzieher, Max Bischofberger, Musiker und Singer-Songwriter und Miriam Lemdjadi, Theaterpädagogin und Regisseurin, leiten das Projekt. Sie interessieren sich erst einmal dafür, was für Musik die beteiligten Jugendlichen hören, welche Liedtexte ihnen aus der Seele sprechen, welche Themen sie beschäftigen, was ihnen wichtig und wie dringend das jetzt gerade in diesem Moment ist. Es wird improvisiert, neue Songtexte werden geschrieben, Musik wird komponiert, Situationen und Szenen entstehen, eine Theater-Musik Performance bringt so die dringlichsten Themen auf die Bühne.

Die Proben finden vom 30. Juli bis 17. August 2018, Montag bis Freitag von 10 Uhr bis 16 Uhr, mit gemeinsamen Mittagessen, in den Räumen des Stadtjugendrings Weinheim statt. Die Aufführungen sind am 17. und 18. August 2018 im Café Central Weinheim. Die Teilnahme an dem Projekt ist kostenlos.
Anmeldung und weitere Informationen per E-Mail gibt es bei  entre.nous@gmx.de oder unter der Mobilfunknummer 0151 40304802. Anmeldefrist war der 15.Juli 2018.
Das Projekt wird veranstaltet von der Bürgerstiftung Weinheim in Kooperation mit dem Stadtjugendring e.V. und dem Holzwurm Film und Theater e.V. und  gefördert durch KULTUR MACHT STARK beim Bundesministeriums für Bildung und Forschung.


Redivivi

  Seit dem Jahr 2014 kümmert sich die Bürgerstiftung Weinheim zusammen mit der Stadt Weinheim darum, den Alten Friedhof in Weinheim als einen Park der Erinnerung wieder und neu lebendig werden zu lassen. Mit einem im Frühjahr 2016 erschienenen Buch trat die Geschichte dieser ältesten in Weinheim bestehenden Ruhestätte und der dort Ruhenden ins Bewusstsein vieler Bürgerinnen und Bürger. So lag es nicht fern, solche Persönlichkeiten oder Zeitgenossen von ihnen als „Redivivi“, Wiedererstandene, vorzustellen.
Nach Friedrich Härter im vergangenen Jahr ist der Gast 2018 der von Bürgerstiftung Weinheim, Volkshochschule Badische Bergstraße und Musikschule Badische Bergstraße veranstalteten Reihe

Albert Ludwig Grimm (1786 bis 1872)
Weinheimer Oberbürgermeister, Abgeordneter, Pädagoge und Schriftsteller,
alias
Dr. Alexander Boguslawski
im Gespräch mit
Dr. Adalbert Knapp

Musikalische Begleitung: Dr. Torsten Fetzner und Jürgen Osuchowski
Donnerstag, 18. Oktober 2017, 19:30 Uhr
Volkshochschule


Nachgefragt

Der Weinheimer Mittagstisch ist neuer Träger des Rolf-Engelbrecht-Preises für Integration – Essen für Bedürftige seit 19 Jahren

Wenn alle Helferinnen und Helfer des Weinheimer Mittagstischs den Rolf-Engelbrecht-Preis, der ihnen dieses Jahr zugesprochen worden ist, persönlich in Empfang genommen hätten, dann wäre eine Turnhalle nötig gewesen. Denn es sind pro Jahr rund 180 ehrenamtliche Köchinnen und Köche, Küchenhelferinnen und Küchenhelfer aus sieben Weinheimer Kirchengemeinden, die rund sechs Wochen lang immer zur kalten Jahreszeit arme und bedürftige Menschen mit Nahrung versorgen. Auf 19 Jahre hochgerechnet – so lange gibt es den Mittagstisch bereits – sind es wohl einige mehr.
Am Sonntag reichte aber der Bürgersaal im Alten Rathaus aus, denn den Preis, der alle zwei Jahre verliehen wird, nahmen die Gründerinnen und Hauptorganisatoren stellvertretend entgegen: Ingeborg Blöchle als Gründerin, Gertrud Oswald für die aktuell Verantwortlichen, Ruth Alber für die Liebenzeller Gemeinde, Pastor Christian Pestel für die Freikirchliche Gemeinde und Pfarrer Dr. Stefan Royar für den kompletten Arbeitskreis christlicher Kirchen in Weinheim.
Die Ehrung wurde vorgenommen von Weinheims Oberbürgermeister Heiner Bernhard, Dr. Adalbert Knapp von der Bürgerstiftung und Sarah Fuchs von der Freudenberg Stiftung. Die beiden Stiftungen und die Stadt stehen gemeinsam hinter dem Preis, der den Namen des früheren Weinheimer Oberbürgermeisters Rolf Engelbrecht trägt. Bei der Verleihung waren dessen Sohn Christoph und wiederum dessen Sohn Constantin persönlich anwesend.

Rolf Engelbrecht stand für Teilhabe, Menschlichkeit und Toleranz

Sie hörten aus dem Mund von OB Bernhard, dass der Preis den Namen ihres Ahnen trägt, weil dieser mit seiner ganzen Biografie und seinem Wirken für Integration, Teilhabe an der Stadtgesellschaft, für Menschlichkeit  und für Toleranz steht. Engelbrecht musste in der Nazi-Zeit Repressionen ertragen, weil seine Mutter Jüdin war. Nach dem Krieg widmete er als Jurist, Landesbeamter und Weinheimer Oberbürgermeister  seine Arbeit der Gerechtigkeit. „Der Artikel 1 des Grundgesetzes, die Würde des Menschen, das war stets die Maxime seines Handelns“, so beschrieb es Heiner Bernhard. Mit dem Preis werde immer auch der „liberalen und weltoffenen Lebenseinstellung des Namensgebers gedacht“. Bernhard erinnerte daran, dass die bisherigen Preisträger die Integrationspionierin Maria Guerrero, der Arbeitskreis Asyl und „Demenz-Papst“ Dieter Gerstner waren. Der Integrationsbegriff in einer Kommune richte sich aber nach allen Menschen, die ohne aktive Einbeziehung ausgeschlossen wären. Der OB verhehlte nicht, wie groß er den Stellenwert der Ehrung einschätzt: „Wie wir künftig in einer Kommune zusammenleben, ist eine der großen Fragen unserer Zukunft.“
Bei seinem Grußwort und darauf in einer von zwei Gesprächsrunden, die Dr. Adalbert Knapp moderierte, betonte Bernhard, dass Mittagstische und Tafeln wie jene in Weinheim „unersetzbar sind, aber kein Ersatz für den Sozialstaat sein dürfen“. Die beeindruckende Zahl von bundesweit 60 000 Helfern in 900 Tafeln dürfe „für den Staat kein Alibi sein, sich nicht um die Verbesserung der Lebenssituation armer Menschen zu kümmern“.
Die Feierstunde wurde eingerahmt vom Querflöten-Ensemble der Musikschule Badische Bergstraße.


Neue Freunde finden durch Musik


Fünftes Singfest der Bürgerstiftung

„Musik, Musik und alle machen mit“, so klang es in der Stadthalle fröhlich aus annähernd 250 Kinderkehlen am  11. Juli. Die Bürgerstiftung Weinheim hatte zum fünften Mal zum Singfest gerufen und 12 Weinheimer Kindertageseinrichtungen sowie der Seniorenchor des Bodelschwingh-Heimes unter der Leitung von Christine Engelhardt waren der Einladung gefolgt. Die Moderatorinnen Monika Preiss und Sabine Nick nahmen die Kinder und ihre Erzieher und Erzieherinnen mit auf die Suche nach Musikfreunden für Flo Flöte. Flo Flöte war nämlich ganz traurig, dass sie immer alleine Musik machen muss.


Mit Hilfe der Kinder lernte sie nacheinander Gisela Geige, Klaus Klarinette, Tom Trompete und Paul Pauke kennen. Jedes Instrument stellte dabei seine eigene Melodie vor, die die Kinder begeistert mitsangen. Die Kinder hatten zuvor in den Einrichtungen die Lieder gelernt und auch die Instrumente wurden ihnen von Lehrkräften der Musikschule vorgestellt. Ihr neugewonnenes Wissen präsentierten sie nun beim Singfest anhand phantasievoll gestalteter Plakate und Instrumentenskulpturen. Auch die liebevoll gestalteten Kostüme trugen zu einem farbenfrohen Gesamtbild bei. Dass Freunde ganz unterschiedlich aussehen können, dass es nur dann harmonisch wird, wenn man aufeinander hört und dass das Spielen gerade dann am meisten Spaß macht, wenn alle verschieden sind, war den Kindern am Ende klar:


Alle Leut …

Das Schlusslied musizierten das ganze Lehrerorchester der Musikschule Badische Bergstraße, die Gitarrengruppe, bestehend aus angehenden Erziehern und Erzieherinnen der Helen-Keller-Schule sowie Teilnehmerinnen der von der Bürgerstiftung finanzierten und von Jürgen Osuchowski geleiteten Fortbildungskurse, der Seniorenchor und die Kinder zusammen. Die Kinder hatten eigene Instrumente des kleinen Schlagwerks mitgebracht und sangen, rasselten, trommelten und klatschten taktsicher mit.


…  dankt Margarete Ruoff

Margarete Ruoff bedankte sich im Namen der Bürgerstiftung bei allen Organisatoren und Helfern und überreichte den Einrichtungen eine Teilnehmerurkunde sowie den Begleitpersonen eine Rose. Als Dankgeschenk erhielten die Einrichtungen einen Gutschein für eine weitere Instrumentenvorstellung. Bei Brezeln und Getränken konnten nach dem Lied „Alle Leut“ noch Kontakte geknüpft und Eindrücke ausgetauscht werden und so manches Kind stellte traurig fest, dass das Singfest „leider schon vorbei“ ist. Die Lieder und Erinnerungen an das Fest werden aber sicher noch lange in den Köpfen bleiben. Nach dem Fest ist vor dem Fest: Wie schön, dass die Planungen für das Singfest 2020 schon begonnen haben.

Sabine Nick


Tatort Friedrich-Realschule

Theater-AG führt Mobbing-Thriller auf.

Bei Lina zu Hause ist es schrecklich. Daher freut sie sich auch wahnsinnig auf die Klassenfahrt – und ist umso schockierter, als die Klassenlehrerin vorschlägt, dass die Klasse Solidarität lernen soll: Alle sollen den finanzschwächeren Kindern helfen, indem sie einen Basar organisieren oder Plätzchen backen und verkaufen, denn entweder fahren alle – oder keiner. Im Stück „Schwein gehabt“ führt dieser Vorschlag zu einer Eskalation in der Klasse, die Kinder mit weniger Geld werden verantwortlich gemacht für das Unglück der Klasse, die vielleicht nicht fahren kann, und der Versuch von Mia, einem schüchternen Mädchen, die Kekse gebacken hatte um die Klasse von der Richtigkeit der Idee zu überzeugen, führt direkt zur nächsten Mobbing-Attacke.

Was sind das für Kinder?

„Was sind das für Kinder?“, fragt man sich, doch in den nächsten Szenen werden deren Elternhäuser vorgestellt. Da sind Mias engagierte Eltern (Greenpeace-Aktivistin und Anwalt), die versuchen, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, da ist Chantal, die sich mehr oder weniger alleine um ihre vielen Geschwister kümmern muss, weil die Mutter in einem Schnellrestaurant arbeitet und aus lauter Frust darüber zu viel trinkt, da ist Ben, dessen Vater gestorben ist und letztendlich Lina, deren Eltern sich getrennt haben und immer streiten, wenn sie aufeinander treffen.


Ein verheerender Elternabend findet statt, bei dem die Klassenlehrerin nun auch versuchen will, die Eltern von ihrer Idee der Solidarität zu überzeugen, aber die Eltern beschuldigen sich nun gegenseitig so wie ihre Kinder und taugen nicht recht zum Vorbild.


Schweinemöller hilft

Die Situation wird dadurch gerettet, dass die Kinder herausfinden, dass ein großer Mastbetrieb im Ort, der „Schweinemöller“ mit seinem „Schweinehochhaus“ offenbar Dreck am Stecken hat und nun Mias Vater, den Anwalt, erpresst. Plötzlich werden die Kinder aktiv, aus Feinden werden Verbündete, die gemeinsam die Ratssitzung stürmen und so für Gerechtigkeit sorgen: Die Bestechlichkeit des Bürgermeisters und der Wasserwerke kommen ans Tageslicht, der Schweinemöller vor Gericht – und Greenpeace sponsert der Klasse ein Landschulheim in einem Naturreservat. Im Abspann erzählen dann alle Beteiligten, was sie aus dieser Geschichte mitgenommen haben.

Applaus, das Brot der Künstler

Die Theater-AG der Friedrich Realschule, Schülerinnen und Schüler aus den Klassen 5–9, hatte sich nach der Märchen-Aufführung im Herbst ein Stück gewünscht, das ernsthafter ist und dies kurzerhand selbst entwickelt. Dabei half die Schauspielerin Claudia Wiedemer, die Tipps gab, den Plot zu entwickeln und letztendlich die improvisierten Szenen in ein Stück schrieb. Die Woche vor Uraufführung und Premiere war mit Proben gefüllt, bis der Tatort  Siegfriedstraße am 21.Juli unter dem Titel „Schwein gehabt“ auf der Bühne in der Turnhalle der Schule zu sehen war.
Rauschender Szenen- und Schlussapplaus für begeisterte und begeisternde Spielfreude mit pädagogischem Touch. Die Theater-AG bedankte sich bei ihrer Lehrerin Isabel Haist, und einer Mutter, Frau Brands, die sie jeden Freitag zum Proben „genötigt“ hatte und auch bei Claudia Wiedemer, von der sie „echt viel gelernt“ hätten:  Merci mit Blumen und Strauß. Die Bürgerstiftler im Publikum sind höchst zufrieden, zusammen mit Volksbank Stiftung und Freudenbergstiftung dabei gewesen zu sein.

Isabel Haist


Ehrennadeln für  „grüne Daumen“

Ehepaar Minhorst für die Rosenanlage und Astrid Eichelroth für den Heilkräutergarten erhalten Ehrennadeln der Stadt

Weinheim blüht – die so genannten „Grünen Meilen“ sind sprichwörtlich, über die Region hinaus bekannt und fester Bestandteil des Marketings-Konzeptes der Stadt. Zwei „Oasen“ dieser Grünen Meile sind in den vergangenen Jahren sogar überwiegend ehrenamtlich gepflegt worden: Die Rosenanlage in der Freudenberg-Straße unterhalb des Schlossparks und der Heilkräutergarten am Blauen Hut.

Katharina und Günter Minhorst

Hinter der Rosenanlage steht seit langer Zeit das Ehepaar  Katharina und Günter Minhorst; der Heilkräutergarten ist untrennbar mit der Weinheimer „Kräuterfee“ Astrid Eichelroth verbunden. Für den ehrenamtlichen Einsatz verlieh Oberbürgermeister Heiner Bernhard jetzt an das Ehepaar Minhorst und an Astrid Eichelroth drei Ehrennadeln der Stadt Weinheim für besonderes bürgerschaftliches Engagement.

Astrid Eichelroth

Er würdigte besonders, dass sich Astrid Eichelroth seit über zwanzig Jahren mit umfangreichem Fachwissen in großer Bescheidenheit um „ihren“ Heilkräutergarten kümmert. Die „Kräuterfee“ war zur Ehrung mit ihren ebenso ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern ins Dienstzimmer des OB gekommen.

Schmuckstück Rosenanlage …

Ein weiteres Schmuckstück, so Bernhard, verströmt – auch zurzeit wieder – den betörenden Duft von mehr als 1000 Rosenstöcken in 40 Arten: Die Rosenanlage.
Vom Frühjahrsschnitt über Blattarbeiten bis hin zum Bewässern hegten die Anwohner selbst lange Zeit die prachtvolle Anlage. „Eine blühende Anlage von dieser Pracht wäre bei der Finanzlage der Stadt mit unseren eigenen Gärtnern nicht zu schaffen“, betonte Bernhard. Er bescheinigte: „Unter Ihrer vorbildlichen Betreuung, liebe Frau Minhorst, lieber Herr Minhorst und der Ihrer Mitstreiter, ist die Rosenanlage zu einem Schmuckstück der Weinheimer Grünen Meilen geworden.“

… unterm Dach der Bürgerstiftung

Inzwischen hat das Ehepaar Minhorst die handanlegende Fürsorge in eine spendensammelnde übergeleitet. Zusammen mit Dr. Thomas Bethge kümmern sie sich  als Freunde der historischen Rosenanlage unter dem Dach der Bürgerstiftung um die Euro-Bewässerung.

Roland Kern


Spaß für Jung und Alt in der Nordstadt am Wasserheisl

Einen spannenden Samstagnachmittag boten die Weinheimer Nordstadtfreunde zusammen mit dem Stadtjugendring den Kindern und auch den Erwachsenen am Wasserheisl und auf dem Bolzplatz Rottenstein.

WNF-14 Nordstadtolympiade

Bei der WNF-14 Nordstadtolympiade bewiesen über 40 Kinder ihre Schnelligkeit und Geschicklichkeit in den Disziplinen Steinstoßen, Weitsprung, 40-m-Lauf, Dosenwerfen, Sackhüpfen, Geschicklichkeitslauf und Zielschießen mit dem Fußball. Sie erhielten vorher einen Laufzettel und bekamen dann an den einzelnen Stationen Punkte für Ihre Leistung eingeklebt. Alle erhielten eine Teilnehmerurkunde und die besten wurden bei der Siegerehrung von unserem Bürgermeister Dr. Fetzner und Sebastian Kuhn  mit Medaillen und kleinen Sachpreisen ausgezeichnet. Die Teilnahme an der Kinderolympiade war zur Freude der Teilnehmenden Familien kostenlos.

Weinheimer WNF 14-Hirschkopfberglauf.

Um 14:00 Uhr läutete dann unser Erster Bürgermeister die Startglocke zum 1. Weinheimer WNF 14-Hirschkopfberglauf. 7,3 km, und 230 Höhenmeter mussten die 36  Teilnehmer überwinden. Der Lauf führte z.T. über unwegsames Gelände und setzt gute Kondition und Ausdauer voraus.
Der Sieger bei den Herren, Fabian Mottel, absolvierte die Strecke in der unglaublichen Zeit von 33:13 Minuten, und auch die Siegerin bei den Damen Christine Maurer lief mit 41:07 eine klasse Zeit. Bei den Seniorinnen siegte Claudia Pflästerer (54:54) und bei den Senioren Rainer Beisel (34:44).

1. WNF 14-Vogesenlauf

Für weniger Geübte bot sich der 1. WNF 14-Vogesenlauf an, der um 14:30 Uhr am Kreisel Brunhildstraße  gestartet wurde an. Dieser Lauf führte über 3,8 km, und es waren 85 Höhenmeter zu überwinden. Hier siegte mit großem Abstand Mathis Burghard bei den Herren. 1.Siegerin bei den Damen wurde Dorothee Rentschke, und bei den Mädchen setzte sich Kim Seline Kahl durch.

Beim Zieleinlauf am Wasserheisl wurden die Läufer mit viel Beifall empfangen, und auch bei der anschließenden Siegerehrung, die vom 1.Vorsitzenden der Weinheimer Nordstadtfreunde, Hans-Jörg Klump, und Herr Dr Fetzner vorgenommen wurde, machten vor allem die Woinemer Runners und deren Fanclub tolle Stimmung.

Helmuth Hock und Karl Kreis leiteten das Bewirtungsteam der WNF, das die Anwesenden mit leckeren Speisen und Getränken verwöhnte.

4. WNF-14-Flohmarkt

Der Verein machte auch auf den 4. WNF-14-Flohmarkt aufmerksam, der am 30.06.18 in der Hopfenstraße zwischen 9:00 Uhr und 15:00 Uhr stattfand. Auch hier hat der Verein wieder für die Bewirtung der Gäste gesorgt.
Für 3 m Verkaufsfläche wurde eine Standgebühr von 10 Euro erhoben, die im Voraus zu überweisen war. Die ersten 80 Standmeldungen sind kurzfristig eingegangen.

Hans-Jörg Klump



Ideen für eine älter werdende Gesellschaft

Die Bürgerstiftung Weinheim lud zum 11. Stifterforum ein

Wie schön, dass der Bau der Kapelle erhalten bleibt, auch wenn das GRN-Betreuungszentrum (früher: „die Kreispflege“) im nächsten Jahr ans Krankenhaus verlegt werden wird. An diesen beschaulichen Ort hat die Bürgerstiftung eingeladen, um auf das alte Jahr zurückzuschauen und Ideen für die Zukunft zu kreieren. In seinem Jahresbericht fächerte der Vorstandsvorsitzende Dr. Adalbert Knapp die ganze Vielfalt der 22 Projekte auf, welche die Bürgerstiftung im Jahr 2017 entweder gefördert oder selbst initiiert hatte. Von der frühkindlichen Bildung über Schultheater, Singfeste, Kunstprojekte bis zur Weihnachtsbaumaktion, dem Erhalt des Alten Friedhofs und Besuchshunden für alte Menschen spannt sich der Bogen der Aktivitäten, an denen die Bürgerstiftung beteiligt ist.

„Wir müssen mehr für ältere Menschen tun“

Bei einer internen Bestandsaufnahme kam die Bürgerstiftung im vergangenen Jahr zu dem Schluss, dass sie verstärkt über Projekte nachdenken will, die dem demografischen Wandel in unserer Gesellschaft Rechnung tragen. „Wir müssen mehr für ältere Menschen tun“, heißt die Schlussfolgerung. Die gesellschaftlichen Herausforderungen des Älterwerdens werden sich in den kommenden Jahren deutlich verstärken. Ein Hauptproblem ist das sich Auflösen der familiären Bindungen. In der Generation der Hochaltrigen werden mehr Singles und Paare ohne Kinder leben. Die Einbindung in die Stadtgesellschaft ist deshalb sehr wichtig. Eine Reihe laufender und geplanter Projekte der Bürgerstiftung will auf diese Entwicklung reagieren. Dazu gehören der Seniorenförderfonds von Caritas und Diakonie, die Rekrutierung von „Demenzpaten“, Projekte, die Kinder und Senioren zusammenbringen, und auch der Einsatz von „Besuchshunden“, die älteren Menschen aus der Vereinsamung helfen können.

Sprudelnde Ideen


Zum Abschluss des Stifterforums beteiligten sich alle Anwesenden an einer von Katja Hoger geleiteten Ideenwerkstatt, die eine Reihe pfiffiger Vorschläge zu Tage förderte. Eine telefonische „Senioren-Hotline“, die praktische Tipps (wo bekomme ich Hilfe, wer macht was in Weinheim für Senioren?) gibt, war einer darunter. Älteren Menschen den Umgang mit neuen Medien und den Nutzen der Digitalisierung im Alltag zu erklären, war eine andere Idee. Bewegung, Tanz, Sport, Ausflüge und Theaterbesuche zu organisieren, war ein anderer Ansatz, ältere Menschen am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen. Auch gemeinsame Aktivitäten zum Naturschutz wurden als segensreich empfunden, ebenso wie gegenseitige Besuche von Alten und Kindern. Schließlich hatte  einer die Idee, auf dem Hauptfriedhof ein kleines Café einzurichten, wo man sich nach der Grabpflege noch zusammensetzen kann. Die Bürgerstiftung Weinheim, auf jeden Fall, sieht sich sowohl was ihre Fördermittel, als auch das Engagement der Mitglieder angeht, gut gerüstet, auch in Zukunft den gesellschaftlichen Zusammenhalt und das kulturelle Leben in Weinheim auf vielfältige Weise zu fördern.

Alexander Boguslawski


Das Porträt

Uschi Heil

Frau Heil, Sie sind eine bekannte Weinheimerin, aber wo kommen Sie ursprünglich her, wo sind Sie aufgewachsen?

Ich bin geboren in Koblenz und aufgewachsen in einem kleinen Ort in der Nähe. Meine Schulzeit habe ich auf einem konfessionellen Gymnasium abgeschlossen, danach habe ich eine Ausbildung als Bankkauffrau gemacht. Gearbeitet habe ich zunächst bei der Sparkasse, bevor ich 1973 zu einer Bank wechselte. Bei dieser Bank wurde ich schnell stellvertretende Filialleiterin.

Und wie ging es weiter?

In Koblenz habe ich meinen Mann kennengelernt, mit dem ich seit 1975 verheiratet bin. Er war Elektroingenieur, der aber zu dieser Zeit in Koblenz keine Anstellung fand. Er ging zunächst allein nach Mannheim und fand dort eine interessante Tätigkeit bei BBC. Unter anderem war er eine Weile zuständig für ein Geschäft mit dem Iran und ist auch mehrmals dorthin gereist. Als auch ich in meiner Bank einen Job in Mannheim angeboten bekommen hatte, zog ich ebenfalls in die Rhein-Neckar-Region. Wir wohnten zunächst in Ilvesheim.

Und wann kamen Sie nach Weinheim?

Erst blieben wir noch ein paar Jahre in Ilvesheim, ohne dort heimisch zu werden. Das lag auch daran, dass ich rund eineinhalb Jahre lang für meine Bank in ganz Deutschland herumreiste, um an mehreren Filialen vorübergehende Leitungspositionen zu übernehmen. Daneben haben mein Mann und ich neben unserem Job ein BWL-Studium begonnen – und abgeschlossen. Erst danach kehrte etwas mehr Ruhe in unser Familienleben ein, wir zogen 1980 nach Weinheim, und 1983 bzw. 1986 wurden unsere beiden Kinder geboren.

Und hier wurden Sie schnell heimisch?

Na ja, wir sind ja Rheinländer, und das ist schon ein anderer Menschenschlag als die Nordbadener – zumindest haben wir es so empfunden. Wir sind von Natur aus sehr kontaktfreudig und offen heraus, und wir brauchten schon eine Weile, bis wir mit der Mentalität der Menschen in Weinheim klar gekommen sind.

Wenn man Kinder hat, findet man in der Regel schnell Kontakt zu anderen.

Ja, so war es. Ich gab meinen Beruf auf und kümmerte mich fortan um die Familie. Die Karriere habe ich meinem Mann überlassen. Als die Kinder heranwuchsen, begann auch mein Engagement im Ehrenamt – typischerweise als Elternvertreterin zunächst im Kindergarten, später als Elternbeirats-Vorsitzende an der Albert-Schweitzer-Schule und dann als stellvertretende Elternbeirats-Vorsitzende am Heisenberg-Gymnasium.

Waren Sie zu dieser Zeit bereits politisch tätig?

In die SPD bin ich schon 1970 mit 17 Jahren eingetreten, und in Koblenz habe ich mich auch kommunalpolitisch engagiert. Das hat mit dem Elternhaus zu tun, denn mein Vater war schon immer ein politischer Mensch. Aber es dauerte bis 1995, dass ich mich der SPD in Weinheim anschloss. Dann ging es allerdings sehr schnell. Ich wurde Kassiererin der örtlichen Partei, dann Beraterin der Gemeinderatsfraktion im Ausschuss für Technik und Umwelt. 1999 habe ich selbst kandidiert und bin schließlich 2002 als Nachrückerin Mitglied des Gemeinderats geworden.

Soviel ich weiß, haben Sie sich aber noch darüber hinaus in Weinheim engagiert.

Das kann man so sagen. Ich war bei der Volkshochschule, bei den Siedlern, im Sommertagskomitee und bei der AWO, jeweils in Vorstandsfunktionen. Das wurde mir auf die Dauer natürlich zu viel, und ich habe im Laufe der Zeit einige Ämter abgegeben. Dafür folgte die Bürgerstiftung.

Ja, erzählen Sie mal, wie kam es dazu, dass Sie bei der Bürgerstiftung mitmachten?

Die Geschichte fing schon an, bevor es die Bürgerstiftung gab. Ich habe mit großer Überzeugung beim Weinheimer Unterstützerkreis Berufsstart (WUB) mitgemacht. Für den habe ich 10 Jahre lang an der Karrillon-Schule ganze Klassen betreut und eine Sprechstunde eingeführt. Später habe ich das gleiche an der Johann-Philipp-Reis-Schule gemacht. Es war eine tolle Arbeit, die oft damit endete, dass jungen Leuten ein Job vermittelt werden konnte. Noch heute treffe ich Schüler von damals, denen ich seinerzeit helfen konnte. Auf jeden Fall habe ich beim WUB Frau Bettermann kennengelernt und war somit dabei, als die Idee einer Bürgerstiftung in Weinheim entwickelt wurde. Das war also noch vor 2006.

Sie sind also ein Gründungsmitglied

Aber ja, seit dem 1. Stifterforum bin ich im Stiftungsrat.

Dann können Sie ja auf die ganze Geschichte der Bürgerstiftung zurückblicken. Wie hat sich die Stiftung in Ihren Augen in den vergangenen 12 Jahren entwickelt?

Ich finde, sie hat sich positiv entwickelt. Ich weiß noch, dass die Initiative von Frau Bettermann und anderen aus dem Umfeld von Freudenberg ausging und dass es am Anfang in Weinheim hieß, das sei so eine Idee der „besseren Leute“, die Gutes tun wollen. Allen Gründern war klar, dass man gegen dieses Image, die Bürgerstiftung sei ein „Club der Reichen“ angehen muss, um auf Dauer von allen akzeptiert zu werden. Ich denke, das ist uns im Laufe der Jahre gut gelungen, Wir sind mitten in der Gesellschaft angekommen und unterstützen soziales und kulturelles Engagement in alle Richtungen.

Bei der internen Analyse zur Tätigkeit der Bürgerstiftung kam unter anderem heraus, man müsse angesichts des demografischen Wandels mehr Projekte fördern, die den alten Menschen in Weinheim zugute kommen. Ist das auch Ihre Meinung?

Dagegen spricht natürlich gar nichts, ich will aber zu bedenken geben, dass sich in Weinheim bereits mehrere Initiativen mit dem Thema Altersarmut oder auch Rechtsbeihilfe für Senioren und anderes beschäftigen. Meine persönliche Präferenz liegt weiterhin eindeutig bei der Förderung von Jugendlichen. Ich glaube, das habe ich vorhin schon deutlich gemacht. Ich werde mich in erster Linie weiter für alle Projekte einsetzen, die den Schulen und den Kindern zugute kommen.

Frau Heil, Sie haben mittlerweile einige Ehrenämter abgegeben. Was machen Sie am liebsten  mit der neu gewonnenen Zeit?

Ich freue mich, Zeit zu haben, um meine Kinder bei der Familiengründung zu unterstützen, zum Beispiel mit unserem kleinen Enkelkind zu spielen. Daneben bin ich Gärtnerin aus Leidenschaft, und wenn ich mich komplett entspannen will, greife ich zu den Stricknadeln oder ich baue Modelle, zum Beispiel Modelle von alten Bahnhöfen oder auch historische Häuserzeilen. Davon habe ich bereits einen ganzen Schrank voll. Und jetzt, wo mein Mann Rentner ist und die Kinder aus dem Haus, können wir unser Fernweh stillen und durch die Welt reisen.

Vielen Dank für das nette Gespräch

Interview: Alexander Boguslawski

 


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Redaktion: Adalbert Knapp

Texte: Hans-Joachim Gelberg, Alexander Boguslawski, Isabel Haist, Roland Kern, Hans-Jörg Klumb,
Adalbert Knapp,Sabine Nick
Bilder: Hans-Joachim Gelberg: Alexa Gelberg
Daniel Besier, Michael Endriß, Wilhelm Heil, Riccardo Ibba, Roland Kern, Adalbert Knapp, RNZ, Gernot Ruoff, Weinheimer Nordstadtfreunde, WUB
Mitarbeit: Alexander Boguslawski, Ulrich Becker, Gunter Faigle und Claudia Werner

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