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STIFTERPOST Nr. 39/Oktober 2017 – zur -Onlineversion-

 


Liebe Leserin, lieber Leser,

Knapp

„Leichter geworden
für Gedankenflüge,
und wieder ein Spiel
mit offenem Ende begonnen…“

Peter Härtlings hier erstmals veröffentlichtes „Selbstporträt mit 76“, ist es nicht eine Einladung für jedes Alter? Und fordert es nicht auf, immer und weiter neugierig und offen für das Leben zu sein? Halt, bevor es jetzt zu herbstlich-pathetisch-melancholisch wird: Seien Sie einfach offen, das sind Sie natürlich eh, für das Viele, das Sie heute in unserer Stifterpost erwartet: Wieder einmal ein Griff ins pralle Leben, auf dem Alten Friedhof, in der weiten Welt, bei den Besuchshunden (was ist denn das schon wieder?), bei der Interviewstudie zur Bürgerstiftung Weinheim und, natürlich verschicken Sie Weihnachtskarten – darum gleich bestellen – und, natürlich verschenken Sie immer wieder gern ein Buch, warum nicht den „Augenblick“ beim nächsten Besuch bei Freunden, mit oder ohne eine Flasche Wein oder Blumen dabei.

Gute Tage in der neuen, alten Zeit, die gestern begonnen hat, und

freundliche Grüße

Ihr

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Mit freundlicher Unterstützung von
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Das Gedicht

Ausgewählt und kommentiert von Hans-Joachim Gelberg

Selbstporträt mit 76

Leichter geworden
für Gedankenflüge,
und wieder ein Spiel
mit offenem Ende begonnen.
Gegenden erkundet
und abgelegt,
Herzsprung und Atemnot,
und den großen Sätzen misstraut.
Durch die Strophen
vieler Lieder gewandert,
auch mit den Steinen
auf dem Grunde der Moldau.
Bis die Melancholie aufhebt,
was beschwert:
Leichter bin ich geworden
für Gedankenflüge.

Peter Härtling

 

gelberghansjoachim 160

Nachsinnen über sich selbst fordert und lässt aufatmen. Peter Härtling schickte mir seinerzeit sein Selbstporträt mit 76 (es ist bislang unveröffentlicht), und ich begriff, wie ihn „Herzsprung und Atemnot“ in seiner Krankheit bedrängte. Fortan misstraute er den großen Sätzen, vertraute den Strophen vieler Lieder, so Brechts Moldau-Lied. Liebesworte prägen Härtlings Gedichte von Anfang an. „Komm, ehe der Welt der Atem vergeht.“ Und immer wieder sein Selbstbefragen. Anfangs: „Vogelschrift, ich kann sie nicht lesen.“ Später,  viel später, dann die bange Frage: „Wie lange atme ich noch?“ Nur dieses noch: Leichtsein kehrt im Alter in unser Denken ein. Härtling spricht von Gedankenflügen. In seiner letzten Anthologie „Ein Engel für jeden Tag“ (2016) bekennt Härtling: „Ich brauche sie. Ich habe Engel mein ganzes Leben lang gebraucht.“

Peter Härtling, 1933 in Chemnitz geboren, erlebte als Kind die grauenvolle Kriegszeit mit Flucht und mit dem Sterben der Mutter. Seine Biographien (Hölderlin, Schubert und viele andere) sind Begegnungen besonderer Art. Seine Kinderbücher eröffneten eine neue Phase der Kinderliteratur. Peter Härtling wohnte in Mörfelden-Walldorf; er starb am 10. Juli 2017  in Rüsselsheim.


Aktuell

Stifterforum der Bürgerstiftung Weinheim

Das 12. Stifterforum am 26. Oktober stand ganz im Zeichen einer Interviewstudie, die ein Team der Bürgerstiftung im Mai und Juni diesen Jahres durchgeführt hatte. Zuvor hatten  Margarete Ruoff und Dr. Adalbert Knapp über das Jahr 2016 berichtet. Den Bericht finden Sie hier.

Anschließend präsentierte Katja Hoger die Preisträger des

Gudrun und Karl Heinz Maiwald-Förderpreises

Der 2017 zum dritten Mal verliehene Preis ist nach Gudrun und Karl Heinz Maiwald benannt, die der Bürgerstiftung 2012 eine Summe von 750 000 Euro vermacht haben. Der Preis soll  die schöpferischen Kräfte von solchen Kindern und Jugendlichen wecken, für die der Weg zur Kunst nicht einfach und nicht selbstvertsändlich ist. In diesem Jahr kamen zwei Vorschläge in die Endauswahl: „Skulpturengarten in der Helen-Keller-Schule (HKS)“ und „Kreativ im Jahreslauf an der Albert-Schweitzer-Grundschule“. Nach intensiven Beratungen war sich die Jury einig, dass beide Bewerbungen den Kriterien des Preises sehr gut entsprechen. Dies betreffe die möglichen Adressaten ebenso wie die inhaltlichen Aspekte.So wurde das Preisgeld für den Skulpturengarten zur Verfügung gestellt; „Kreativ im Jahreslauf konnte durch eine sehr großzügige Geburtstagsspende und weitere Mittel der Bürgerstiftung finanziert werden.

Das Projekt

Skulpturengarten

stellte Alexander Haas, Lehrer an der Helen-Keller-Schule, eindruckvoll vor. Im Modellversuch „AV dual“ sei die Schule besonders darum bemüht, den Schülerinnen und Schülern neue Wege zu zeigen und ihnen so zum einen eine positivere Verbindung zur Schule zu ermöglichen und zum anderen Zukunftsperspektiven zu eröffnen. Die Schülerinnen und Schüler im „AV dual“ kämen zum größten Teil aus Elternhäusern, denen Kontakt zur Kunst eher fern ist.
Der Innenhof der HKS neben dem Schulgarten eignete sich hervorragend für eine solche künstlerische Gestaltungsweise. Die Arbeiten aus Holz und Stein/Beton wurden in Zusammenarbeit mit der WERKstattSCHULE e.V. aus Heidelberg hergestellt. Die offizielle Einweihung am 8. November um 11 Uhr wird vor allem auch  der Wertschätzung der Leistung der beteiligten Schüler für ihre Projektarbeit dienen.

 „Kreativ im Jahres-Lauf“

temperamentvoll vorgestellt von Felicitas Vajna, schließt einmal wöchentlich an die Kernzeitbetreuung der Albert-Schweitzer Schule an und beinhaltet das Erleben der jahreszeitlichen Zyklen. Mit Hilfe von Exkursionen, künstlerischer Arbeit, saisonaler Essenszubereitung und sinnesfördernden Spielen entdecken die teilnehmenden Kinder die Vielfalt des Jahreslaufs.
Im Vordergrund unseres Projekts stehe der Ansatz, die Welt mit allen Sinnen zu begreifen und zu erfassen und dies künstlerisch umzusetzen. In Absprache mit der Schulleitung der Albert–Schweitzer–Schule wurden Schülerinnen und Schüler mit Fluchthintergrund und / oder aus schwierigem sozialen Umfeld ausgewählt, die einer besonderen Zuwendung und Förderung in kindgerechter Perspektive und alternativen Spielmöglichkeiten bedürfen.

Im dritten Teil des Abends stellten Dr. Alexander Boguslawski, Karin Graf und Dr. Adalbert Knapp die Interviewstudie vor

Die Bürgerstiftung Weinheim im Rahmen des bürgerschaftlichen Engagements in der Stadt

Ziel dieser Befragung im Juni 2017 sei es, im 12. Jahr ihres Bestehens ein Bild davon zu bekommen, wie die Bürgerstiftung in der Weinheimer Bevölkerung wahrgenommen werde, und daraus Schlussfolgerungen zu ziehen. Als Methode wurden  qualitative Interviews ausgewählt, eine sozialwissenschaftlich  bewährte Umfragemethode.  Die Projektgruppe suchte 22 Personen aus der Weinheimer Stadtgesellschaft aus, von denen man sich neutrale aber ergiebige Antworten erwartete. Es waren Befragte aus der Politik, den Kirchen, Sozialverbänden, Vereinen, der Wirtschaft und der Kunst.. Grundlage war ein Gesprächsleitfaden mit 17 offenen, nicht strukturierten Fragen.  Dauer der Interviews ca.1 Stunde.

Hier zusammenfassende Sätz aus dem Bericht: „Die Umfrage hat ein breites Spektrum von bürgerschaftlichem Engagement in Weinheim sichtbar gemacht. Für manche wäre es wünschenswert , wenn mehr Koordination und Vernetzung stattfände.
Die Bürgerstiftung hat im vielstimmigen Orchester des Bürgerlichen Engagements in Weinheim in den vergangenen 11 Jahren einen guten Ruf erworben. Hervorgehoben werden ihre Offenheit für alle Themen und alle potentiellen Unterstützer. Ihre gelegentliche Charakterisierung als eliteorientiert bezieht sich auf die Gründungszeit der Bürgerstiftung.

Als Wünsche wurden formuliert:
Es könnte mehr für ältere Menschen getan werden.
Mehr Bürgernähe, u.a durch stärkere stadtteilbezogene Arbeit sei sinnvoll.
Kümmern um Benachteiligte sollte verstärkt werden
Sehr wichtig ist, dass das Tätigkeitsspektrum nicht eingeengt wird.
Im Sinne ihres Mottos „Fördern und gestalten“ und der breiten Zustimmung zu ihrer bisherigen Arbeit wird die Bürgerstiftung an diesem Ruf weiter arbeitend sich um die oben genannten Themenfelder kümmern.“
Den gesamten Bericht über die Studie mit einer Dokumentation der Interviews finden Sie hier.

Vorstand und Stiftungsrat sehen nach der Vorstellung im Stifterforum in den Ergebnissen der Studie eine gute Grundlage für die weitere Arbeit der Bürgerstiftung Weinheim.

 


Es gibt wieder Weihnachtskarten

Wie in den Jahren  2013 und 2014 bietet die Bürgerstiftung  wieder Weihnachtskarten zugunsten der Arbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen in Weinheim an. Diesmal haben die Karten Nadine Asfour und Hannah Schwöbel in einem Projekt der Stiftungsinitiative Schüler-Stipendien (SiSS) gestaltet. Diese Initiative der Forschungsgruppe Modellprojekte (SFGM) Weinheim fördert Kinder und Jugendliche, die ein besonderes Interesse oder Talent auf dem Gebiet der Sprache, der Bildenden Kunst, der Musik, der Naturwissenschaft oder des Sports haben. Die Stipendiat/innen werden von ihren Lehrer/innen vorgeschlagen, doch spielen schulische Leistungen bei der Vergabe des Stipendiums keine Rolle. Das Stipendium soll vielmehr außerschulische Talente anerkennen und ein Anreiz sein, sich selbst weiterzuentwickeln. Dabei stehen den Schülerinnen und Schülern ehrenamtliche Bildungspaten zur Seite.

Wie in den vergangenen Jahren werden die Karten in Weinheimer Buchhandlungen und anderen Geschäften zu bekommen sein. Die Bürgerstiftung freut sich auch über größere Aufträge zum Beispiel von Firmen und anderen Institutionen. Interessentinnen und Interessenten wenden sich bitte an Monika Endriß, Telefon 06201-14735  endriss@gmx.de oder an die Bürgerstiftung Weinheim, Telefon 06201-3892025 info@buergerstiftung-weinheim.de


Der Augenblick ist mein

Hans-Joachim Gelberg las in der Buchhandlung Beltz.

„Es ist beeindruckend, wie es Hans-Joachim Gelberg beim Vorlesen schafft, Worte zum Schwingen zu bringen und Sprache so lebendig wird“, meine Peter Fuhrmann, Geschäftsführer der Buchhandlung nach dem eindrucksvollen Vortrag der Gedichte aus dem „Augenblick“, einer Anthologie, die die Bürgerstiftung im April diesen Jahres herausgebracht hat. Musikalisch hatte die Lesung das Saxofonensemble der Musikschule Badische Bergstraße unter der Leitung von Nicolai Pfisterer begleitet.

 

„Endlich weiß ich, was ich demnächst verschenken werde“

Wenn auch Sie die Gedichte für sich oder für Freunde zum Klingen bringen möchten, ist der Weg in eine der Weinheimer Buchhandlungen sinnvoll, wie ihn auch Ingrid Noll gefunden hat: „Endlich weiß ich, was ich demnächst verschenken werde! Das Gedichtbändchen ‚Augenblick‘ ist so liebevoll gestaltet und die Gedichte sind von Hans-Joachim Gelberg so trefflich ausgewählt, dass mir das Herz aufgegangen ist. Sicher wird es allen so gehen, die das Buch zur Hand nehmen, darin blättern, lesen und sich die Illustrationen anschauen. Eine feine, kleine & reine Freude!“

88 Seiten, 20 farbige Abbildungen, fester Einband,
11,90 Euro, erhältlich in den Weinheimer Buchhandlungen und dem Diesbach-Kartenshop.
Die Bürgerstiftung Weinheim als Herausgeberin dankt der Freudenberg&Co KG für die großzügige Förderung des Projekts.

Auch das könnte ein Geschenk sein – oder Sie haben es selbst noch nicht

„Dieses Buch ist ein Erlebnis. Alles zusammen wirkt wie eine Oase der Besinnung. Die Fotos, natürlich, atmen fast. So schön kennt man den alten Friedhof beinahe noch nicht. Aber er ist so. Mit kundiger Behutsamkeit wird erzählt und  beschrieben, wie dieser Friedhof über Jahrhunderte wuchs und alt wurde. An alles ist gedacht, selbst die Baumarten werden vorgestellt. Ein Gedenkbuch, mehr noch, lesend fühlt man sich zugehörig. Auch ich dachte, nun bin ich ein Weinheimer.“
Hans-Joachim Gelberg

140 Seiten, über 40 meist farbige Abbildungen, 17 Euro
Erhältlich in den  Weinheimer Buchhandlungen und im Diesbach Kartenshop
Die Bürgerstiftung Weinheim als Herausgeberin sowie die Autoren danken der Freudenberg&Co KG für die großzügige Förderung des Projekts.

Ein vergessenes Kapitel deutscher Geschichte:

Zwangsarbeiter im Dritten Reich

„Ein vergessenes Kapitel deutscher Geschichte“ war der Vortrag des ehemaligen Zwangsarbeiters Dr. Stanislas Stepien im Mai 1988 überschrieben, zu dem die Friedensinitiative Weinheim eingeladen hatte. Seitdem hat sich in der Literatur einiges auch zum Thema Zwangsarbeiter getan. In dem verdienstvollen, von der Stadt Weinheim im Jahr 2000 herausgegebenen Buch „Die Stadt Weinheim zwischen 1933 und 1945“ beschreibt Toni Lang in seiner Abhandlung über die „nationalsozialistische Wirtschaft- und Sozialpolitik in der Stadt Weinheim“ ausführlich die Lage der „Fremd- und Zwangsarbeiter in Weinheim“. Auch Ute Grau und Barbara Guttmann widmen zwei Seiten in „Weinheim – Geschichte einer Stadt“ (Weinheim 2008) dem Thema „Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene“. Nicht zuletzt Joachim Scholtysecks „Freudenberg – Ein Familienunternehmen in Kaiserreich, Demokratie und Diktatur“ (München 2016) befasst sich sehr detailliert mit der „Zwangsarbeit bei Freudenberg“.

Nichtsdestoweniger fristet ein Grabfeld von 14 Zwangsarbeitern am äußersten Rand des Weinheimer Hauptfriedhof ein im Sinn des Wortes weit abgelegenes, weitgehend unbekanntes Dasein. Pfarrer i.R. Robert Schmekal erinnerte im November 2015 durch eine Kranzniederlegung bei den Gräbern an das Schicksal dieser Menschen. Vor einiger Zeit ist, über die Stadt Weinheim, diese Thematik  von Pfarrer Schmekal an die Bürgerstiftung herangetragen worden.
Inzwischen haben sich sieben Schülerinnen des Neigungskurses Geschichte am Werner-Heisenberg-Gymnasium unter der Leitung ihres Lehrers Konrad Fink und mit Unterstützung von Stadtarchivarin Andrea Rößler dazu bereit erklärt, diese Thematik im Rahmen eines Projekts zu bearbeiten. Sie haben inzwischen den Text über die Geschichte der Zwangsarbeiter in Weinheim für eine Tafel erstellt, die bei dem Gräberfeld für die Zwangsarbeiter aufgestellt werden soll. Auch der Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge beteiligt sich an dem Vorhaben.

„Sie kam aus Mariupol“

Ob es ein Zufall ist, sei dahin gestellt: Im Frühjahr dieses Jahres erschien „ein großartiges Buch gegen das Schweigen“ (Bayern 2 Kultur): „Sie kam aus Mariupol“ von Natascha Wodin. Die Autorin „geht dem Leben ihrer ukrainischen Mutter nach, die mit ihrem Mann 1944 als ‚Ostarbeiterin‘ nach Deutschland verschleppt wurde. Sie erzählt beklemmend, ja bestürzend intensiv von einem Anhängsel des Holocaust, einer Fußnote der Geschichte: der Zwangsarbeit im Dritten Reich.“ Diesem Klappentext ist nach der Lektüre dieses mit dem Leipziger Buchpreis ausgezeichneten Werkes nichts hinzuzufügen.

Auch diese Initiative von Bürgerstiftung und Stadt Weinheim hat das Ziel, ein vergessenes Kapitel neu zu lesen.
Die mit dem von den Schülerinnen erarbeiteten Text und weiteren Informationen versehene Tafel soll im Frühjahr 2018 an einem Tag zwischen dem 28. März, der Befreiung Weinheims, und dem 8. Mai, dem endgültigen Ende des Nationalsozialismus, enthüllt werden.

Bürgerschaftliche Beteiligung durch Spenden

Bürgerstiftung und Stadt Weinheim bitten um Spenden für die Finanzierung der Tafel. Die Unterstützung unterstreicht die Bedeutung dieses Gedenkens der Weinheimer Bürgerinnen und Bürger und dokumentiert die bürgerschaftliche Beteiligung an der Erinnerungstafel. So wie seinerzeit die Errichtung des Mahnmals an der Ehretstraße durch eine bürgerschaftliche Initiative und eine finanzielle Beteiligung zustande kam.
Spendenkonto: Bürgerstiftung Weinheim, Volksbank Weinheim eG
IBAN: DE 64 670 923 00 0003 7770 06
BIC: GENODE61WNM Kennwort: Zwangsarbeiter in Weinheim


Nachgefragt

Der Traum von der Republik

Der Weinheimer Revolutionär Friedrich Härter im Gespräch

Bürgerstiftung Weinheim und die Volkshochschule Badische Bergstraße beabsichtigen, ihre traditionsreiche Reihe „Weinheimer Lebensläufe“ mit einer originellen Variante fortzusetzen. Unter dem Titel „Redivivi“ – Wiedergeborene – wollen sie historische Persönlichkeiten der Stadtgeschichte aus früheren Zeiten für einen Abend ins Leben zurückholen. In einer spannenden Versuchsanordnung gab es nun die Premiere. Im vollbesetzten Saal der Volkshochschule bat der Vorsitzende der Bürgerstiftung, Dr. Adalbert Knapp, den Gastwirt und Protagonisten der badischen Revolution von 1848, Friedrich Härter, auf die Bühne. In dezentem Zeitkolorit gekleidet, nicht ohne Taschenuhr in der Westentasche, übernahm Dr. Alexander Boguslawski die Rolle des Härter.

Das Publikum zeigte am Ende durch donnernden Applaus, dass es den Versuch mit vollem Recht als geglückt betrachtet hat. Es entwickelte sich ein lebhaftes Gespräch zwischen dem interessierten Fragesteller und dem ganz in seiner Zeit lebenden Härter. Er berichtete im Plauderton von seiner Jugend, von der Zeit in der reformierten Volksschule und wie er in der Gastwirtschaft des Vaters, „Zur Burg Windeck“ draußen im Müllheimer Tal, aufwuchs. Als er mit 35 Jahren das Gasthaus des Vaters übernahm, wurde er zusehends eine führende Figur in den politischen Ereignissen, die auch in Weinheim zu dramatischen Auseinandersetzungen mit der Obrigkeit im Großherzogtum Baden führten.

Deutlich schälte sich der spannungsreiche Charakter Friedrich Härters heraus: Als Gastwirt, Wein- und Holzhändler und Kirchengemeinderat ein wohlhabend-bedächtiger Bürger mit mäßigenden Einfluss bei den politischen Diskussionen in der Stadt, war er andererseits ein unermüdlich-mutiger Kämpfer für die freie Republik, der keine Auseinandersetzung scheute. Am Ende zahlte er einen hohen Preis für seinen Einsatz: Als Revoluzzer, Aufwiegler und Drahtzieher eines nächtlichen Attentats auf die neue Eisenbahnstrecke statuierte das großherzogliche Regime an ihm ein Exempel: Er wurde mehrfach eingesperrt und seiner Bürgerrechte beraubt. Für zwei Jahre musste er mit seinem Freund Friedrich Diesbach ins Schweizer Exil, jahrelang durfte er seine Gastwirtschaft nicht führen. Ganz still wurde es im Publikum, als er davon berichtet, dass sein einziger Sohn Michael 1849 in die USA flüchtete. Er hat nie mehr etwas von ihm gehört. Erst im fortgeschrittenen Alter wurde er begnadigt und erfuhr eine späte Anerkennung als ehrenwerter Bürger der Stadt Weinheim.
Wie eine Art Panorama entwickelte sich die Situation im Weinheim des 19.Jharhunderts, mit Flüchtlingen, Auswanderern, Tagelöhnern, einem aufstrebenden Bürgertum mit Familien, deren Namen noch heute in Weinheim klingen, außer denen der jüdischen Familien, immerhin gab es eine nicht ganz kleinen jüdische Gemeinde.

Der unterhaltsame und für viele im Publikum auch lehrreiche Abend wurde hochkarätig begleitet vom Ersten Bürgermeister Dr. Torsten Fetzner und dem Leiter der Musikschule, Jürgen Osuchowski, die auf ihren Gitarren Revolutionslieder aus dem 19. Jahrhundert spielten und sangen: „Schmiert die Guillotine mit Tyrannenfett!“ Zum Schluss stimmte das Publikum begeister ein: „Die Gedanken sind frei!“.


Viele helfende Hände am Alten Friedhof

Wieder einmal hatte die Bürgerstiftung zu einem Pflegetag auf dem Alten Friedhof gerufen und wieder hat eine große Gruppe Ehrenamtlicher den Ruf vernommen und war am Samstag bei strahlend blauem Himmel vier Stunden aktiv. Gleich zu Beginn überreichte Herr Bernhard Müller zwei Gingko Bäume und einen Mammutbaum, die er für den Alten Friedhof selbst gezogen hatte.

In den letzten warmen und feuchten Wochen war das Gelände um die Gräber herum so dicht bewachsen, dass manche Grabsteine hinter dem hohen Springkraut kaum mehr zu sehen waren, der Sturm hatte viele Äste von den Bäumen gefegt und die Wege waren z.T. zugewachsen.
Die Bürgerstiftung hatte im Vorfeld Arbeitsgeräte, Handschuhe sowie Verpflegung für die Mittagspause organisiert, in der es zur Überraschung aller warmen Kaffee gab. Frau Hilde Hinz und Frau Dr. Traute Schneider von der Bürgerstiftung übernahmen gemeinsam mit Herrn Thomas Keil vom Grünflächenamt die Anleitung von 7 Mitbürgern, die in Weinheim geboren oder schon vor Jahren nach hier gezogen sind, sowie von 11 Mitbürgern aus Syrien, Irak, Afghanistan, Iran und Nigeria, die in den letzten 1 1/2 Jahren in Weinheim ankamen. Wir hatten bei der tatkräftigen gemeinsamen Arbeit viel Freude miteinander und gute Gespräche geführt, da einige Männer schon gut Deutsch sprechen und auch sehr wißbegierig sind.
Die Bürgerstiftung wird auch in Zukunft die Gräber in diesem idyllischen Kleinod regelmäßig pflegen, der Alte Friedhof in Weinheim hat diese Wertschätzung verdient.
Traute Schneider


Bläserserenade im Alten Friedhof

Die Bürgerstiftung Weinheim widmet sich vielen Projekten – so möchte sie unter anderem den Alten Friedhof wieder stärker ins Gedächtnis der Bürger und Besucher Weinheims rufen und ihnen Anlass geben, diese ruhige und schöne Parkanlage öfter zu besuchen und als Erholungsort wieder zu entdecken. Nach geführten Spaziergängen, Lyrik- und Gesprächsabenden in den letzten Monaten, fand nun an einem lauen Septemberabend eine Bläserserenade mit dem Posaunenchor der benachbarten Peterskirche statt. Viele Zuhörer waren der Ankündigung gefolgt und auch einige zufällige Spaziergänger gesellten sich hinzu. Die verteilten Kerzen erzeugten nicht nur eine stimmungsvolle Atmosphäre, sondern ermöglichten den Zuhörern auch, bei einsetzender Dunkelheit die vorbereiteten Liedblätter zu lesen.

Nach der festlichen Eröffnung mit Händels „Festmarsch“ wurden bekannte Choräle wie „Nun danket alle Gott“, „Großer Gott wir loben Dich“ und „Herr Deine Liebe“ gespielt und gesungen. Als Überleitung zum zweiten Teil brachte der Posaunenchor einen „Marsch“ zu Gehör, der von Simon Langenbach, dem Bezirkskantor der Peterskirche und Leiter des Posaunenchores, komponiert wurde. Es folgten Volkslieder wie „Ännchen von Tharau“ und der „Geburtstagsmarsch“, der bei fast allen Posaunenchören im Land seit Jahren bekannt und beliebt ist. Im letzten Teil der Abendmusik wurde mit „Himmel, Erde, Luft und Meer“ in einer Bearbeitung des Bezirkskantors von Offenburg, Traugott Fünfgeld, und „Über den Wolken“ in einem Arrangement von Reinhard Gramm an den Deutschen Evangelischen Posaunentag in Dresden erinnert, bei dem im Jahr 2016 rund 20.000 Bläser zusammengekommen waren und gemeinsam Musik gemacht hatten. Ein unvergessenes Erlebnis auch für die Teilnehmer aus Weinheim, wie Ellen Förster erzählte, die mit kurzen Erläuterungen zu den Stücken durch den Abend führte. Mit dem Trio aus „Pomp and Circumstances“ von Edward Elgar und anderen beschwingten Stücken ging die musikalische Stunde zu Ende und das Publikum dankte mit Applaus und einer Spende, die sowohl der Bürgerstiftung als auch dem Posaunenchor zugute kommt.
Ellen Förster


Hunde aus aller Welt

Elf Hunde aus aller Welt, unterschiedlichster Rassen, jeden Alters und fast jeder Größe mitsamt ihren Halterinnen und Haltern alias „Herrchen und Frauchen“ hatten sich eingefunden, um anzuhören, was für jemanden wichtig ist, der oder die mit seinem oder ihrem Hund Menschen im Bodelschwinghheim oder im GRN-Betreuungszentrum regelmäßig besuchen und den Bewohnerinnen und Bewohnern dadurch eine Freude bereiten will.
Gastgeber Henning Hesselmann begrüßte in der Kapelle des Betreuungszentrums die Gäste und unterstrich die Bedeutung, die Tiere als Mittler für ältere Menschen und Menschen mit Beeinträchtigungen haben. Der Leiter des Bodelschwinghheims, Christian Rupp berichtete von den guten Erfahrungen, die sein Haus mit Andrea Haas und Hund Joy und Eberhard Buse gemacht habe. Karin Graf, Leiterin des von der Bürgerstiftung Weinheim initiierten Projekts, selbst Hundefreundin von Kindheit an, führte souverän durch den Abend, in dessen Mittelpunkt zunächst allgemeine Informationen und persönliche Erfahrungen von Andrea Haas standen, die Hundetrainerin Julia Ripp fachfraulich ergänzte. Besonders aufmerksam schienen die Hunde zu lauschen: Sie gaben während des ganzen Abends fast keinen Mucks von sich, in der Pause freilich sollte dann doch Jux und Tollerei sein. Ob sie gespannt darauf waren, wie Julia Ripp ihre Fähigkeiten als Besuchshunde einschätzen würde? Mit jedem einzelnen machte sie ihren Rundgang und alle haben bestanden, und selbstverständlich auch ihre Halterinnen und Halter. Stimmung, Fragen und Gespräche an dem Abend zeigten, welch hohe Motivation die künftigen Betreuer leitete: Sei es die Erfahrung in der eigenen Familie oder das persönliche Bedürfnis, anderen, für sich und für ihren Hund etwas Gutes zu tun.
Zum Schluss hatte Karin Graf zwei Besuchslisten für die beiden Einrichtungen und so konnte es in den kommenden Tagen und Wochen mit fünf und sechs Teams fürs jeweilige Haus losgehen. Sollten Sie auf den Geschmack gekommen sein, wenden Sie sich bitte an Karin Graf karin.graf.weinheim@t-online.de – Telefon 06201 2 35 54

Neben den reinrassigen  Golden Retriever, Labrador Retriever, dem französischen Wasserhund und dem Windhund gab es auch einen Bahomi (eine Bauernhofmischung).


Sonnenschirme für die Containeranlage Gorxheimer Talstrasse 44

Seit Herbst 2016 wohnen in der Wohncontaineranlage östlich des Waldschwimmbades ca. 50 Geflüchtete in der sogenannten Anschlussunterbringung. Zur Grundversorgung gehört auf dem baum- und darum schattenlosen Platz nicht die geringste Beschattung. An heißen Tagen wie im Mai/Juni/Juli ist die Innentemperatur in den Containern auch nachts kaum erträglich, oft nicht unter 30 Grad C. Tagsüber werden, gemessen Ende Mai, gut und gern bis zu 37 Grad C im Container erreicht. Da es draußen ohne irgendeinen Schatten kaum erträglicher ist, war eine Lösung dringend nötig. Darum besorgten wir zuerst Ventilatoren. Doch zeigte sich, dass das Bedürfnis, aus der z.T. engen Belegung zu entkommen, und auch um der Kommunikation willen sich irgendwo auf dem Gelände zu treffen, weiter vorhanden war.

AK Asyl und Bürgermeister Dr. Fetzner traten an die Bürgerstiftung mit der Frage heran, ob von ihrer Seite eine Unterstützung für die Beschaffung von Sonnenschirmen möglich sei. Gemeinsame Bemühungen der Herren Kautt und Lohrbächer vom AK Asyl führten dazu, dass die Firma Jäger Gartenmöbel (Birkenau) zwei große Schirme zu einem sehr günstigen Preis zur Verfügung gestellt hat. Diese haben die Ehrenamtlichen dann auch sofort aufgestellt. Die Schirme wurden dankbar aufgenommen. Die Finanzierung übernahmen die Volksbank Weinheim Stiftung und die Bürgerstiftung Weinheim.

 

„Nicht über jedes Stöckchen springen“

„Buntes Weinheim“ widmete sich der Frage: Wie soll man jetzt mit der AfD umgehen?

Weinheim. Es war ein durchaus historischer Abend, nämlich der Vorabend der Konstituierung jenes Deutschen Bundestages, in dem erstmals Vertreter einer rechtspopulistischen Partei sitzen. „Wie soll man jetzt mit der AfD umgehen?“, fragte daher das Bündnis „Weinheim bleibt bunt“ am Montagabend nach einem „Bunten Spaziergang“ den Mannheimer Politikwissenschaftler und Parteienforscher Dr. Christian Stecker vom Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung. Einen ausführlichen Bericht finden Sie hier.


Das Porträt

Seit es die elektronische Stifterpost gibt, ist darin eine Rubrik „Das Porträt“ enthalten. In unregelmäßigen Abständen haben wir unter dieser Rubrik Zeit- und Geldstifterinnen, Projektleiterinnen und Projektleiter und Stiftungsräte vorgestellt. Unser heutiger Gast ist Dr. Alexander Boguslawski.

Stifterpost: Herr Boguslawski, wie und wann kamen Sie zur Bürgerstiftung Weinheim?

Als ich 2014 angesprochen wurde, ob ich eine aktualisierte Darstellung des Alten Friedhofs schreiben könnte.

Was für ein Bild hatten Sie bis dahin von der Bürgerstiftung?

Ehrlich gesagt, ein sehr vages, ich kannte lediglich den Vorsitzenden und einige Aktivitäten der BS aus der Presse.

Was hat Sie gereizt, ein Buch über den Alten Friedhof zu schreiben?

Es war die Möglichkeit, über die Beschreibung des Friedhofs und der Gräber hinaus etwas zur Geschichte der Stadt Weinheim und zum 19. Jahrhundert zu erzählen. Anders gesagt: im Kleinen das Große entdecken zu können.

Sie sind inzwischen eng mit dem Kümmern um dem Alten Friedhof verbunden. Warum dieses intensive Engagement?

Nach dem Buch, das aufgrund der atmosphärischen Fotos und den Beiträgen der beiden Mitautoren sehr schön geworden ist, wollte ich mich nicht gleich wieder aus dem Staub machen. Immerhin hat mir die Bürgerstiftung die Möglichkeit verschafft, so ein schönes Buch herauszugeben. Außerdem hatte ich den Friedhof bei der Beschäftigung mit ihm recht lieb gewonnen und wollte etwas dazu beitragen, dass er nicht vernachlässigt wird.

Wie viele Führungen haben Sie inzwischen geleitet? Sind die jeweils unterschiedlich? Was interessiert die Leute besonders?

Es waren bislang 7 oder 8 Führungen (und weitere sind geplant). Was immer wieder schön ist für mich: Es sind bei jeder Führung Menschen (auch Weinheimer) dabei, die noch nie auf dem Alten Friedhof waren, und denen kann man etwas völlig Neues zeigen, wofür sie dann ausgesprochen dankbar sind. Dass die Namen auf den Grabsteinen so etwas wie ein Abbild der Weinheimer Gesellschaft im 19. Jahrhundert darstellen, finden die Besucher immer besonders spannend.

Sie haben sich für den Alten Friedhof sogar in eine andere Person verwandelt. Was war das für ein Gefühl?

Für einen Abend in die Rolle des alten Friedrich Härter zu schlüpfen, war sehr aufregend, zumal ich so etwas noch nie gemacht habe. Umso mehr hat es mich gefreut, dass es offenbar geglückt ist, auf diese Weise für die Zuschauer ein Stück Stadtgeschichte lebendig werden zu lassen.

Haben Sie weitere Ideen für den Alten Friedhof?

Auf jeden Fall soll in meiner Vorstellung der Alte Friedhof „am Leben gehalten“ werden, dort soll in aller Ruhe und Unaufgeregtheit ein Ort der Stadtkultur entstehen, wo man sich trifft und unterhält und ab und zu einer Musik zuhört. Die Idee, dort einen „Skulpturenpark“ entstehen zu lassen, finde ich besonders reizvoll.

Die Herausgabe der Anthologie „Augenblick“ haben Sie herstellerisch geleitet. Was war dabei für Sie besonders interessant?

Es hat einfach Spaß gemacht, mit Hans-Joachim Gelberg, den Schülerinnen und Lehrerinnen des Heisenberg-Gymnasiums zusammen so etwas Hübsches zu entwickeln, Gedichte und Bilder zusammen zu bringen.

Was war für Sie bei der Planung und Durchführung der im Stifterforum und in dieser Stifterpost vorgestellte Interviewstudie besonders wichtig?

Ich habe mein ganzes Berufsleben lang mit solchen oder ähnlichen Interviewstudien zu tun gehabt. Ich fand es immer spannend und ergiebig, jemandem auf diese Weise zeigen zu können, wie er von außen wahrgenommen wird (was man ja bekanntlich ein „Image“ nennt) und welche Erwartungen man an ihn hat. Deshalb bin ich sicher, dass unsere kleine Studie für die Bürgerstiftung eine nützliche Übung war, deren Ergebnisse sie in Zukunft weiter bringen wird.

Wenn Sie Ihre Zeit und ihre Arbeit in der Bürgerstiftung Revue passieren lassen: Hat sich Ihre Bild von der Stiftung geändert und wenn ja, inwiefern?

Ich habe in dieser Zeit überhaupt erst ein – sehr positives – Bild von der Bürgerstiftung bekommen – indem ich einige der beteiligten Personen und Projekte kennengelernt habe.

Sie sind inzwischen ein gefragter Referent in Fragen Geschichte Weinheims. Wann sind Sie nach Weinheim gekommen?

Vor ungefähr 34 Jahren. Für alteingesessene Weinheimer bin ich damit immer noch ein Neuankömmling, aber ich selbst habe noch nirgendwo länger am Stück gelebt. Ein Weinheim-Experte bin ich damit noch lange nicht, aber es macht mir zunehmend Freude, mich mit der Geschichte der Stadt und der Bergstraße zu beschäftigen und vieles Kleine und Exemplarische zu entdecken. Frei nach dem Motto: Weltgeschichte ist überall.

Waren Sie in Ihrer Jugend und später schon „außerschulisch“ zeitstiftend tätig?

Im Gymnasium war ich einmal Schulsprecher. Heute bin ich eigentlich nur in der Weinheimer Kommunalpolitik, aber was heißt da „nur“? Politik ist alles, was das öffentliche Zusammenleben der Menschen betrifft, es ist also aller Mühe wert, sich damit zu beschäftigen.

Haben Sie gerade etwas Neues in Arbeit?

Es gibt da ein Projekt, die Geschichte Weinheims auf eine neue, moderne Art darzustellen. Schaumermal, was dabei herauskommt.

Wenn Sie gerade nicht bei der Bürgerstiftung, am Runden Tisch Energie, in der Kommunalpolitik oder mit Schreiben  unterwegs sind: Gibt da etwas, was man Hobby nennen könnte?

Drinnen: Möglichst viel Zeit mit Büchern verbringen. Draußen: Im Garten miterleben, wie ein Jahr nach dem anderen vorüber geht.

Herr Boguslawski, vielen Dank für das Gespräch.

Biografische Daten:
Jahrgang 1949, geboren in Wien, Abitur in Frankfurt, Studium der Politik und Geschichte in Frankfurt und Konstanz. Marktforscher am Institut für Demoskopie Allensbach und danach bei Boehringer Mannheim / Roche. Seit 2009 für die GAL im Gemeinderat von Weinheim.

 


Blick über den Zaun

 Weinheim und die Welt

Die von Bürgerstiftung Weinheim, Volkshochschule Badische Bergstraße und Stadt Weinheim getragene Veranstaltungsreihe präsentiert den Vortrag von

Prof. Dr. Julian Nida Rümelin
„Über Grenzen denken. Eine Ethik der Migration“
 Dienstag, 20. Februar 2018 um  19:30 Uhr im Rolf-Engelbrecht-Haus in Weinheim

Über zwei Milliarden Menschen leben weltweit in bitterster Armut, leiden unter Hoffnungslosigkeit, Hunger, Unterdrückung und Krieg. Über 65 Millionen von ihnen waren allein im letzten Jahr auf der Flucht, viele Menschen weltweit erhoffen sich ein besseres Leben in Europa oder Nordamerika. Hilfe tut also dringend not – aber sind offene Grenzen die richtige Antwort auf das Elend in der Welt?
Diese Ansicht findet viele Fürsprecher, doch der Philosoph Julian Nida-Rümelin ist überzeugt: Offene Grenzen würden das Elend nicht wesentlich mildern, sondern die Herkunftsregionen sogar weiter schwächen und die sozialen Konflikte in den aufnehmenden Ländern verschärfen. Eine Lösung für die beschämenden humanitären Skandale unserer Zeit sind sie nicht.
In seinem neuen Buch entwickelt Nida-Rümelin eine eigene Ethik der Migration, die eine Brücke zwischen Philosophie und Politik schlägt. Sein Buch macht klar: Politisches Handeln muss auf den Werten und Normen der Humanität beruhen. Nur so können verantwortungsbewusste und zukunftsträchtige Entscheidungen getroffen werden.

Gerne veröffentlichen wir diesen Appell des Weinheimer

Unterstützerkreis Berufsstart (WUB)

Nach dem Zeugnis  ist vor dem Zeugnis

Nicht wenige Jugendliche fragen sich, welchen Beruf sie wählen sollen, welchen Wert ihre Schulbildung hat, wofür, wozu und bei wem, sie sich vorstellen und bewerben können.

Der Weinheimer Unterstützerkreis Berufsstart (WUB) hat schon vielen Jugendlichen in den letzten 15 Jahren den Weg zum Einstieg in das Berufsleben geebnet. Die Einstiegshilfen sind vielfältig, besonders die Begleitung der Jugendlichen an den Schulen während der letzten Schuljahre. Die Unterstützung reicht z.B. von der Lernunterstützung, der  Stärkenanalyse zur Berufs-findung bis zur Ausbildungsplatzsuche.
Der Erfolg steigt dabei durch Einzelpatenschaften oder Einzelbegleitung in besonderen Lebensumständen. In der schulischen Lernarbeit ist das Ziel, die Grundlagen in den Kernfächern frühzeitig zu legen bzw. zu sichern. An der Dietrich-Bonhoeffer-Werkrealschule gibt der WUB schon ab Klasse 8 Unterstützung. Hier warten in diesem Schuljahr ca. 25 Kinder der Klassen 8 und 9 auf Lernhilfe bei nur 9 aktive Paten.
Der notwendig gute Schulabschluss und das sichere Gefühl für den richtigen Praktikums- und Ausbildungsplatz sind das Rückgrat auch für leistungsschwache Schüler. Die Paten des WUB bringen sich mit ihren Lebens- und Berufserfahrungen ein, um einen erfolgreichen Berufsstart für die Jugendlichen zu ermöglichen. Partner bei dieser Arbeit sind die Schulen und die Jugendagentur JobCentral in Weinheim. Ziel aller ist es, den Jugendlichen die Voraussetzungen für einen guten Berufsstart und ein für selbstbestimmtes Leben mitzugeben.
Partnerschulen sind die Dietrich-Bonhoeffer-Schule, die Helen Keller Schule, die Johann Philipp Reiss Schule sowie die Hans Freudenberg Schule.
Neben dem oben genannten Bedarf warten an der Johann Philipp Reiss Schule mehrere Schüler in den Fächern Mathematik und Betriebswirtschaft auf z.Zt. nur 3 Paten .
Immer wieder war es durch diese Förderung möglich, dass Schülerinnen und Schüler durch diese Unterstützung den Weg in die richtige Ausbildung und damit in den Beruf oder sogar zu einer weiterführende Schulbildung gefunden haben. Auch im vergangenen Schuljahr konnten begleitete Schüler/-innen den Übergang auf gymnasiale Schulzweige und sogar ins Studium schaffen.
Bernhard Scholtyssek

Wollen Sie an dieser hilfreiche Aufgabe mitwirken?

Wer Interesse an dieser ehrenamtlichen und verantwortungsvollen Tätigkeit hat  und einen Beitrag zur gesellschaflichen Entwicklung leisten möchte,findet Kontakt zum WUB über die
Jugendagentur JobCentral in Weinheim  Tel. 06201 379299 (Sabine Beckenbach) oder
per Mail über paten4wub@jobcentral.de.
Zusätzliche Informationen und Kontaktdaten finden Interessierte auch auf der Internetseite.

Übrigens: Das könnten Ihre Kollegen sein:

Frau Klimpke und die Herren Dölp und Scholtyssek

Fünf Jahre Förderverein Alzheimer e.V. Weinheim

Dieter Gerstner, Gründer und treibende Kraft beim Förderverein Alzheimer e.V. Weinheim, hatte gerufen und (fast) alle kamen: Der Verein feierte sein Fünfjähriges, die Kapelle im GRN-Betreuungszentrum war voll und weder Sponsoren noch Stadträte noch Partner hatten sich lange bitten lassen.

Erster Bürgermeister  Dr. Fetzner war in der Doppelrolle als Bürgermeister und Entertainer präsent: Mit wohl gesetzten Worten der großen Anerkennung und mit ebenso wohl gesetzten Noten: Die Stimmung wurde herbstlich und eine wenig sentimental angesichts der schon bunten Wälder und der gelben Stoppelfelder. Als es dann mit „schön war die Zeit, schön war die Zeit“ und Freddy Quinns Sehnsucht des Heimatlosen weiter ging, war kein Halten mehr, wiewohl die Träne im Knopfloch blieb. Zuvor hatte eine – multinationale – Klasse von Altenpflegeschülerinnen und -schülern von der Helen-Keller-Schule mit ihre Lehrerin Helga Wolpert zum Tanz mit und ohne Stühle gebeten, – und mancher Gast fand sich Sirtaki-tanzend auf dem Parkett. Auf zum vollen Jahrzehnt!
Adalbert Knapp

 


Neu: Geschäftsstelle der Bürgerstiftung Weinheim

Seit 1. August verfügt die Bürgerstiftung Weinheim über eine Geschäftsstelle. Kurz vor Vollendung des runden Dutzend und dem Eintritt in die Pubertät bekommen wir eine „eigene“ Adresse und Telefonnummer.

Bu¨rgerstiftung Weinheim Logo
Hauptstraße 128 in Weinheim, Telefon 3892025 geich neben dem Marktplatz.

Jung, frisch, dynamisch, in direkter Nachbarschaft zu den Weinhheimer Jugendmedien.

hat es möglich gemacht.

 


Nur Mut!

Sie haben eine gute Idee für ein Projekt oder einen Vorschlag oder wollen einmal in einem persönlichen Gespräch erfahren, was es bei der Bürgerstiftung alles gibt? Oder Sie wollen selbst mitarbeiten?

Nur Mut! Wir freuen uns auf Ihren Anruf oder Ihre Mail!

Dr. Adalbert Knapp (Tel. 06201 63254)

Oder Sie schreiben erst einmal eine Mail an uns,
das ist nicht so riskant …


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Herausgeberin: Bürgerstiftung Weinheim

Vorstandsvorsitzender: Dr. Adalbert Knapp
Siegfriedstraße 7
69469 Weinheim

Stellvertretender Vorstandsvorsitzender: Michael Ender
c/o Volksbank Weinheim, Bismarckstraße 1
69469 Weinheim

Kontakt: info@buergerstiftung-weinheim.de Anerkennung durch das Regierungspräsidium Karlsruhe am 17. November 2005 als rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts

Redaktion: Adalbert Knapp

Texte: Hans-Joachim Gelberg, Ellen Förster, Adalbert Knapp, Dr. Traute Schneider, Bernhard Scholtyssek
Bilder: Hans-Joachim Gelberg: Alexa Gelberg
Mitarbeit: Ulrich Becker, Dr. Alexander Boguslawski und Claudia Werner

Bilder: Michael Endriß, Adalbert Knapp, WUB

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